PROJEKT: TAGEBAU
GARZWEILER II

Situations- und
Gemeinwesenanalyse
im Plangebiet Garzweiler II
Stand: 15.10.93
Inhaltsverzeichnis *
0. Einleitung *
1. Der vom geplanten Tagebau Garzweiler II betroffene Bereich *
1.1. Die politische Entwicklung beim Tagebauvorhaben Garzweiler II *
2. Die Situation in den von einem möglichen Tagebau betroffenen Ortschaften *
2.0. die betroffenen Ortschaften *
2.0.1 Die laut Planung möglicherweise erstbetroffenen Orte *
2.0.1.1. Die Ortschaften in der Gemeinde Jüchen *
Die Ortschaft Holz *
Die Ortschaften Otzenrath und Spenrath *
2.0.1.2. Die Ortschaften in der Stadt Erkelenz *
Immerath, Pesch, Lützerath (Pfarrei St. Lambertus) *
Immerath *
PESCH *
LÜTZERATH *
Situation und Klima in der Pfarrei Immerath (Pesch und Lützerath) *
Borschemich (Pfarrei St. Martin) *
2.0.2. Die von der Planung später betroffenen Ortschaften *
2.0.2.1 Holzweiler (Pfarrei St. Cosmas u. Damian) *
Die vier Feldhöfe zwischen Holzweiler und Kückhoven *
2.0.2.2. Keyenberg (Pfarrei Heilig Kreuz) *
BERVERATH *
UNTERWESTRICH *
OBERWESTRICH *
Die Situation im Erkelenzer Stadtteil Keyenberg *
2.0.2.3. Kuckum ( Pfarrvikarie Herz Jesu) *
2.1. Die Situation in den von einem möglichen Tagebau indirekt betroffenen Ortschaften *
Hochneukirch: *
Jackerath: *
3. Die allgemeine, derzeitige politische Situation um den geplanten Tagebau Garzweiler II *
I. Das Arbeitsplatzargument *
II. Die Sorge um das Grundwasser *
III. Die Energiepolitische Notwendigkeit *
IV. Die "sozialverträgliche Machbarkeit" *
V. Die demokratische Legitimation *
»a) Die "Innensicht": *
b) Die "Außensicht": *
VI. Wie geht es weiter? *
1. "Die Befürworterposition": *
2. "Die Kritikerposition" *
3. "Die Realopposition" *
A) Es wird nur das Jüchener Gebiet abgebaggert. *
B) Der Tagebau geht nur bis zur A 61. *
VII. Was nicht aus den Augen gelassen werden darf. *
3.1. Die Kommunen *
Kreis Viersen und die 5 betroffenen Gemeinden: *
Die Stadt Mönchengladbach: *
Die Stadt Erkelenz: *
Die Gemeinde Jüchen: *
3.2. "Die Kirche" *
3.2.1. "Kirchliche Strukturen" im Gebiet *
3.3. Ökumene *
3.4. Engagement 'kirchlicher' Gruppierungen gegen den Tagebau Garzweiler II *
4. Nichtkirchliche Gruppierungen im Bereich Garzweiler II *
4.1. Die Rheinische Bürgeraktion *
4.2. Die Vereinten Initiativen - Bürger gegen Abbau Garzweiler II *
4.3. Die Naturschutzverbände *
5. Resümee und Ansätze für GWA im Gebiet *
5.1. Die vom geplanten Tagebau möglicherweise erstbetroffenen Orte: *
5.1.1. Arbeitsansätze aus Sicht der GWA im erstbetroffenen Bereich. *
5.2. Die vom geplanten Tagebau später betroffenen Orte *
5.2.1. Arbeitsansätze aus Sicht der GWA in diesem Bereich *
5.3. Die Stadt Erkelenz *
5.4. Ein strukturelles Denkmodell *
A Die Dorfebene: " Die Dorfkonferenz" *
B Die Ebene: "Betroffenes Stadtgebiet Erkelenz" *
6. Quellenangabe *
Im November 92 (formal Jan. 93) wurde ich als Gemeinwesenarbeiter für den Erkelenzer Teil des von einem möglichen Tagebau Garzweiler II betroffenen Gebietes eingesetzt.
Da die Informationen innerhalb der Projektgruppe nicht ausreichten, um eine konkrete Einsatz- und Arbeitsplatzbeschreibung zu machen, wurde bewusst eine offene vorläufige Einsatzbeschreibung abgesprochen.
Mein grober Arbeitsauftrag für das erste Jahr war:
Kontaktaufnahmen zu kirchlichen und nichtkirchlichen Gruppierungen.
Erstellung einer Bestandsaufnahme im Sinne einer Situations- bzw. Gemeinwesenanalyse.
Fachliche Begleitung der betroffenen Menschen, wo aktuell notwendig und gewünscht.
Aufbau einer Arbeitsgruppe vor Ort, die dem Dekanatsrat als Sachausschuss in Fragen Garzweiler II zuarbeiten soll.
Begleitung der Pfarren in Braunkohlenfragen.
Mit dieser vorgelegten Analyse werden die Punkte 1 und 2 der vorläufigen Aufgabenstellung eingelöst, auch die Mitglieder der Projektgruppe (Pkt.4) sind gefunden, und die Gruppe trifft sich voraussichtlich im Dezember 93.
Die Punkte 3 und 5 sind ebenfalls erfüllt worden. Sie haben jedoch aufgrund der konkreten politischen Situation, in der sich der Tagebau Garzweiler II zu Beginn meiner Arbeit im Bereich befand, eine gewisse Eigendynamik entwickelt und darüber hinaus ein überhohes Maß an Arbeitszeit aufgrund der intensiven Nachfrage an aktueller Begleitung gefordert.
Nun zur Situations- und Gemeinwesenanalyse.
Es gibt zwei Verfahren, eine solche Gemeinwesenanalyse zu erstellen:
Die quantitativ orientierte (traditionelle) Methode.
Die qualitativ orientierte Methode im Sinne von lebensweltlicher Forschung.
Eine empirische, quantitative Untersuchung erhebt ausschließlich so genannte 'harte' Daten und interpretiert sie. Eine qualitative Untersuchung untersucht die alltägliche Lebenswelt der Menschen im Wohnbereich (Gemeinwesen) in möglichst zusammenhängenden überschaubaren Einheiten. In dieser Hinsicht müssen die einzelnen Dörfer im Planbereich als je individuelle Lebenswelt bezeichnet und untersucht werden. Es sind dabei nicht die Zahlen wichtig, sondern es ist von Bedeutung, »wie die Bewohner ihre Umgebung wahrnehmen und wie sie ihre Eindrücke verarbeiten.« In dieser Betrachtungsweise geht es darum, »wie der Lebenszusammenhang im Dorf je wahrgenommen und realisiert wird.« Der Alltag ist zunächst eine subjektive Kategorie - jeder einzelne lebt in seinem Alttag im Dorf.
Der qualitativen Analyseform wird seitens der Politik noch Skepsis gegenübergebracht, da sie u.U. herkömmliche und tradierte Denkmuster in Frage stellen kann.
Ich habe mich bewusst für diese Form entschieden, da gerade in der besonderen psychosozialen Situation einer Tagebaubedrohung (vgl. Zlonicky-Gutachten) es bei der Betrachtung der Tagebauproblematik auf qualitative Äußerungen von Betroffenen über ihre konkrete Lebenswelt ankommt, als auf "Datenfriedhöfe" (im Sinne von Prof. Dieter Oelschlägel).
Lebensweltliche Untersuchungen werden, ganz allgemein dargestellt, nach folgendem Verfahren durchgeführt:
Interviews mit den Betroffenen, die möglichst wenige Leitfragen haben, damit der Betroffene seine Sicht der Dinge darstellen kann.
Auswertung der Interviews, interpretative Darstellung der Aussagen und Stimmungen bezüglich der Lebenswelt der Betroffenen, zusammenfassende Darstellung.
Rückkopplung der Zusammenfassungen an die einzelnen Betroffenen mit dem Ziel, dass diese sich mit dem Interpretationsangebot über ihre Lebenswelt auseinandersetzen.
Ggf. Vorkorrektur der Interpretationsangebote durch Betroffene, ggf. Veröffentlichung der Analyse und breitere Diskussion mit den Betroffenen.
Kollektiver Austausch über die Analyse, der in der Regel einen Gemeindeentwicklungsprozess in Gang setzt.
Ich habe die Situationsanalyse mit dem Anspruch einer "Voruntersuchung" eines Einzelnen erstellt - eine wissenschaftlich "saubere" Lebensweltanalyse der Situation im betroffenen Gebiet hätte eines Aufwandes bedurft, den ich als Einzelner nicht zu leisten im Stande war. Dennoch sind die Kriterien und Schritte der lebensweltlichen Analyseformen weitgehend von mir eingehalten worden:
Betroffene ihre konkrete Lebenswelt darstellen lassen. (Betroffene sind in meiner Analyse: Pfarrer (Einstiegsgespräch), Kirchenverantwortliche, Bürger).
Auswertung: Die hier vorgelegte Analyse ist von mir anhand von subjektiven Aussagen Betroffener niedergeschrieben worden. Meine Interpretationen sind Deutungsangebote.
Sie wurde zurückgespiegelt, in dem ich meine Analyse einige Betroffene habe gegenlesen lassen und ihre neuerlichen Aussagen bzw. Stellungnahmen in der Endfassung mit berücksichtigt habe. Eine "fachlich fundiertere Offenlegung" der Ergebnisse war aus verschiedenen Gründen nicht möglich.
Es fehlt daher im augenblicklichen Stand (15.10.93) die Präsentation der Ergebnisse an eine breitere Öffentlichkeit, um sich im Sinne eines Prozessbeginns damit auseinander zu setzen.
Ich denke, dass trotz der möglicherweise bestehenden Einschränkungen die hier vorgelegte Analyse ein recht gutes Bild der subjektiven Befindlichkeit der Mehrzahl der betroffenen Menschen und der Situation im Gebiet darstellt.
Die Wahl der lebensweltlichen Analyseform und ihre (Vor)Ergebnisse sollte Mut machen, eine größer angelegte Untersuchung dieser speziellen Form im betroffenen Gebiet durchzuführen; 'Kirche' scheint hier die geeignete Institution zu sein, als Garant von wenig gewinnorientiertem Interesse im 'Braunkohlegeschäft' die subjektive Situation der betroffenen Menschen so "objektiv" wie möglich zu erheben und darzustellen.
Ich habe mir die Ortsbeschreibungen etwas vereinfacht indem ich auf die Darstellungen von Rheinbraun in der "Überschlägigen Beurteilung der Sozialverträglichkeit" zum Braunkohlenplan Garzweiler II zurückgegriffen habe. Diese wurden ergänzt um die Korrekturen der vor Ort Betroffenen.
Im bisherigen Braunkohleverfahren existieren nur technokratisch- verwaltungsorientierte Konzeptionen und Erfahrungen. Selbst bei der 'besten' Umsiedlung der Braunkohlengeschichte und deren Vorgeschichte, der Umsiedlung von Garzweiler, bei der alle Akteure besten Willens und in einem Höchstmaß kooperationsbereit waren, sind soziale Schäden in einem großen Ausmaß entstanden. Eine sozialerträgliche Gestaltung verlangt einerseits den guten Willen aller Prozessbeteiligten, andererseits kann sie nur gelingen, wenn sie sich prozessorientiert entlang der konkreten Lebenswelt der Betroffenen bewegt. Dieser lebensweltorientierte Ansatz besagt gleichzeitig, dass diese prozessorientierte Gestaltung für jedes Dorf und seine Umgebung individuell gestaltet werden muss.
Aus dem bisher dargestellten wird deutlich, dass Patentrezepte oder Generalkonzepte gerade in einem so differenzierten Problemkomplex, wie es ein Braunkohlentagebau darstellt, in keinem Fall greifen und für die betroffene Bevölkerung ungeeignet sind.
Dies ist jedoch auch im Sinne des Sozialverträglichkeitsgutachtens (ZLONICKY). Bisherige Orientierung an der 'juristischen Situation' helfen den betroffenen Menschen nicht weiter. Die derzeitige Rechtslage garantiert noch nicht einmal eine sozialerträgliche Gestaltung eines Tagebaus.
Es muss im Sinne einer Bemühung um "wirkliche" Sozialver- oder erträglichkeit ein Prozess stattfinden, in dem alle am geplanten Tagebau Beteiligten gleichberechtigt beteiligt werden - sowohl die Planer als auch die Betroffenen.
Dieser Prozess muss von außen begleitet und reflektierbar gestaltet werden.
In der Anlage eines Prozesses, dessen Ende wirklich offen sein sollte, muss auch liegen, dass aufgrund der jeweiligen konkreten Prozessergebnisse ein Tagebauvorhaben gestoppt werden kann.
Aus dem oben Dargestellten wird man in den 'möglichen Ansätzen für Kirche am Ort aus Sicht der GWA' Patentrezepte nicht finden, es sind vielmehr hier Vorschläge gemacht, die eben diesen Prozess begünstigen könnten - dies aus Sicht und fachlichen Kompetenz eines der möglichen Prozessbeteiligten! In diesen möglichen Ansätzen, die am Ende eines jeden Ortsabschnittes stehen, habe ich die aus fachlicher Sicht notwendigen gemeinwesenarbeiterische Ansätze und Notwendigkeiten aufgezeigt. Es versteht sich von selber, dass diese Ansätze mit den Betroffenen gemeinsam erarbeitet und die endgültige Form gemeinsam beschlossen werden müssen.
Zuletzt noch etwas zur Zitierweise:
Aussagen vor Betroffenen über ihre Lebenswelt sind mit "..." zitiert. Literatur bzw. Vorlagen, die im Quellennachweis aufgeführt sind, wurden mit »...« zitiert bzw. übernommen.
Last but not least möchte ich Frau Gisela Irving, Frau Elisabeth Willbert, Herrn Dechant Günter Salentin und Herrn Robert Zylka recht herzlich für Ihre besondere Unterstützung bei der Erstellung dieser Analyse danken.
1. Der vom geplanten Tagebau Garzweiler II betroffene Bereich

Das beantragte und geplante Tagebaugebiet umfasst folgende Bereiche:
Auf dem Gebiet der Zivilgemeinde Jüchen (Region Mönchengladbach, Dekanat Hochneukirch) folgende Orte:
Holz (zugehörig zur kath. Pfarrei St. Pantaleon Hochneukirch, ev. Pfarrei Jüchen, Pfarrbez. Hochneukirch-Otzenrath)
Otzenrath, Spenrath (Kath. Pfarrei St. Simon u. Thaddäus, ev. Pfarrei Jüchen, Pfarrbezirk Hochneukirch-Otzenrath)
Auf dem Gebiet der Gemeinde Titz (Region Düren, Dekanat Titz):
Dacksweiler Hof (direkt betroffen) und Jackerath (indirekt betroffen)
Auf dem Gebiet der Stadt Erkelenz (Region Heinsberg, Dekanat Erkelenz) die Dörfer:
Pesch, Immerath, Lützerath, Borschemich, Keyenberg, Unterwestrich, Oberwestrich, Berverath, Kuckum, Holzweiler, und vier Feldhöfe auf dem Stadtgebiet.
Durch die Randlage des Tagebaues wären betroffen:
Stadtgebiet Erkelenz: Katzem, Kückhoven Terheeg und Venrath
Gemeindegebiet Jüchen: Hochneukirch
Stadtgebiet Mönchengladbach: Wanlo
Gemeindegebiet Titz: Jackerath
1.1. Die politische Entwicklung beim Tagebauvorhaben Garzweiler II
(Abkürzungen: RP = Rhein. Post; EN= Erkelenzer Nachrichten; EVZ= Erkelenzer Volkszeitung)
Im Bereich Garzweiler II gehen die ersten Planungen, den Landkreis Erkelenz in das Braunkohlengebiet einzubeziehen, auf das Jahr l950 zurück. In den Jahren 1955/56 und 1961 schlug der Braunkohlenausschuss mehrmals vor, das Braunkohlenplangebiet zu erweitern.
Im Jahr 1962 wurde veröffentlicht, dass die Gemeinde Venrath in den Braunkohlenplan einbezogen werden sollte, Andeutungen von Rheinbraunverantwortlichen machten bekannt, dass "es als sicher betrachtet werden könne, dass auch der Ort Kückhoven laut Planung abgebaut werde und dass dieser Zeitpunkt nicht so ferne läge". Man sprach damals von ca. 50 Jahren und der Ort Erkelenz würde am Rande des von Osten heranrückenden Tagebaus liegen.
Im Jahr 1963 veröffentlichte erstmalig die Erkelenzer Volkszeitung einen Plan, auf dem der ursprünglich geplante Tagebau Frimmersdorf West/West (heute Garzweiler II) eingezeichnet war. (EV 5/63)
1972 bestätigte Prof. Dr. Mandel (Vorstandsmitglied des RWE), dass Frimmersdorf West/West bis an die Grenze der Stadt Erkelenz noch vor der Jahrhundertwende, Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre, stoßen werde, "das seien feste Termine".
1978 veröffentlichte Rheinbraun Pläne, dass auch Wanlo (Stadt Mönchengladbach) voraussichtlich um 2050 dem Bagger weichen müsse. Der vorgesehene Tagebau sollte in den 90er Jahre, bzw. zur Jahrhundertwende das Stadtgebiet Mönchengladbach tangieren. (WZ 2/78)
1981:"Braunkohlebagger kommen früher als erwartet, in 20 Jahren die erste Umsiedlung". (RP 1/81)
1982: "Umsiedlung von Immerath und Pesch muss bis zum Jahre 1990 geklärt sein", - die Bürger sollten noch vor dem Jahre 2000 ihre Heimat verlassen. (EN 1/82)
Im Juni 1982 verfasste der Stadtrat von Erkelenz eine Resolution an den Landtag und die Landesregierung, in der erstmalig auf den Protest der betroffenen Bevölkerung aufmerksam gemacht und dieser unterstützt wurde. (EN 6/82)
Juli 1982: "Bürger formieren sich zum Widerstand gegen die Abbaupläne von Rheinbraun". Kückhoven gründete eine Bürgerinitiative, der sehr bald die anderen Dörfer folgten. Die Initiativen wurden von Betroffenen und auch von politischen Mandatsträgern getragen und unterstützt. Hervorzuheben ist, dass eine intensive Verzahnung mit den jeweiligen Kirchengemeinden von Anfang an bestand. (So wurde z.B. die Kückhovener Initiative von Josef Multhaupt, ehemaliger Pfarrgemeinderatsvorsitzender mitgegründet.)
Die Presse im Bereich Erkelenz wurde in dieser Zeit gebeten, sich bei der Veröffentlichung der Abbaupläne zurückzuhalten. Sie setzte sich jedoch über dieses Ersuchen hinweg. Vor allem die Erkelenzer Volkszeitung hat kontinuierlich über das Problem Tagebau berichtet. (RP 7/82)
Im Januar 1984 eröffnete Rheinbraun ein Beratungsbüro in Immerath. Zu dieser Zeit wurden auch die ersten Hausaufkäufe in Immerath durch Rheinbraun getätigt, was scharf von der CDU in der Stadt Erkelenz kritisiert wurde, "dass Rheinbraun ohne Antrag auf Abbaugenehmigung Häuser kaufe und so die Orte verunsichere und so die Dorfgemeinschaft zerrütte". (EV 2/84)
Im Mai l984 musste das Beratungsbüro auf Anordnung der Stadt Erkelenz, mit der Begründung schließen, dass die Tätigkeit des Rheinbraunbüros jedwede Initiative der Bürger beeinflusse, die Verbesserung des Wohnumfeldes beeinträchtige und die Entwicklung im gewerblichen Bereich und auf dem Immobilienmarkt aufhalte". (EN 5/84)
Ebenso waren die Stadt Erkelenz und ihre Bürger gegen die Versuchsbohrungen im Bereich der Stadt. "Rheinbraun klagte derzeit über den massiven Protest der Bevölkerung".
Im August 1984 schrieben die Erkelenzer Nachrichten "Bedrohung durch Rheinbraun schuf Allparteienkoalition. "Alle Parteien sind sich einig: Die Rheinbraunpläne müssen verhindert werden". (EN 8/84)
Die Verunsicherung der Bevölkerung über die möglichen Tagebauplanungen waren in eine politische Willensbildung umgeschlagen. Alle Parteien und die Verwaltung von Erkelenz bildeten von nun an demonstrativ und öffentlich eine gemeinsame Front gegen den geplanten Tagebau. Rheinbraun versuchte, durch Einladungen der örtlichen Vereine zu Betriebs- und Informationsfahrten die Bevölkerung für sich und ihre Pläne zu gewinnen.
Der Widerstand gegen die Planungen des Bergbautreibenden wuchs mit den Jahren.
Die Firma Rheinbraun versuchte zu dieser Zeit durch massive Beeinflussung und Verunsicherungen ihre Politik durchzusetzen.
Rheinbraun mischt mit in den Vereinen, Rheinbraun weiß sich zu verkaufen. (RP 11/ 84)
Das Baunkohleplanverfahren ist noch unklar, es kann zu diesem Zeitpunkt nicht genau gesagt werden, ob die Einleitung des Braunkohlenverfahrens 1985 erfolgen kann. (RP 11/84)
Rheinbraun hat gegen 2 Landwirte, die Bohrungen auf ihren Grundstücken versagt haben, ein Grundabtretungsverfahren eingeleitet. (EN 4/85)
Merkwürdige Praktiken werden aufgedeckt, Rheinbraun kauft im geplanten Abbaugebiet in verstärktem Maße Grundstücke und Häuser.
Rheinbraun verpflichtet die Hausverkäufer, sich nicht im geplanten Tagebaugebiet neu anzusiedeln. (EN 4/85)
In Immerath lässt Rheinbraun das erste Gebäude abreißen. Als Begründung wurde Einsturzgefahr angegeben. (EN 8/85)
Rheinbraun: "Wir betreiben keine Ankaufpolitik. Es gilt für uns nur eine Ausnahme: Gewichtige soziale Gründe beim Verkäufer."
Rheinbraun muss den Bauwilligen eine Bergschadenunbedenklichkeitsbescheinigung ausstellen und fordert mit gleichem Schreiben die Bauherren auf, in Zukunft das Grundstück nur an sie zu verkaufen, bzw. gegen ein Grundstück zu tauschen, das nicht im Plangebiet liegt (RP 4/86).
1987: RHEINBRAUN STELLT DEN ANTRAG AUF ABBAU VON FRIMMERSDORF WEST/WEST (Garzweiler II)
Die Bürgerinitiativen und Kirchengemeinden vor Ort reagierten mit einer spektakulären Aktion: Rund 5000 Menschen demonstrierten friedlich mit einer Lichterkette auf einer 33 km langen Strecke rund um den geplanten Tagebau. Um 23.00 Uhr unterstützten die Kirchenglocken aus den bedrohten Dörfern diese Aktion. (RP 7/87)
Bei der Antragstellung im August 1987 wurden als erste Umsiedlungsorte Pesch und Immerath genannt, deren Standortfindung und Planung von 1991 bis l993 erfolgen sollte, deren Umsiedlung 1996 bis 2003 vorgesehen war.
Die Stadt Erkelenz beschloß im gleichen Jahr, keine Grundstücke an Rheinbraun zu verkaufen, und bat alle Kirchengemeinden im betroffenen Gebiet, ihrem Beispiel zu folgen. Die Stadt wollte im Gebiet für junge Leute zu einem lukrativen Preis Grundstücke anbieten, um so für Familien einen Anreiz zu schaffen, sich anzusiedeln.
Die SPD in der Stadt Erkelenz regte an, Rheinbraun zu gestatten, Häuser und Grundstücke im bedrohten Gebiet wieder zu kaufen. Begründung hierfür war, dass den Bürgern geholfen werden solle, die durch eine Notlage gezwungen waren, ihre Häuser zu verkaufen. Ebenso beantragte die SPD, dass die Stadt sich jetzt schon planerisch auf Umsiedlungen vorbereiten solle, weil der Tagebau nicht zu verhindern sei. (Gerade der letztere Wunsch wurde in den Folgejahren seitens der Erkelenzer SPD immer wieder vorgebracht. In der nachfolgenden Zeit pendelte so die SPD Fraktion immer zwischen Widerstand und Anpassung an die Landes - SPD: Einerseits schloss man sich solidarisch den Parteien im Stadtrat an, andererseits machte man Ausnahmen und folgte den Vorgaben der Landesregierung.)
In den Jahren 1988/89 stieg der Widerstand in der Bevölkerung, unterstützt durch die resolute Haltung der Stadt Erkelenz gegen den geplanten Tagebau.
Der Widerstand wurde mittlerweile durch viele Kreise, Städte, Gemeinden im Umkreis von Erkelenz mitgetragen. In der vordersten Reihe im Kampf gegen den Tagebau findet man die Städte Erkelenz und Mönchengladbach, die Kreise Viersen, Heinsberg und die Städte Willich, Viersen, Brüggen, sowie die Gemeinden Niederkrüchten und Schwalmtal.
1987 ging die Landesregierung von 120 Millionen Jahrestonnen Braunkohlenförderung aus. Die Braunkohle wurde erneut als billige heimische Energiequelle postuliert.
Das Planverfahren wurde nach dem Antrag durch Rheinbraun im Braunkohlenausschuss betrieben. Dieser Ausschuss ist jedoch so besetzt, dass die Mehrheit aus Vertretern der Kommunen und Städte besteht, die direkt vom Tagebau wirtschaftlich abhängig sind.
In der zweiten Leitentscheidung im Jahre 1991 setzte die Landesregierung keine Mengen mehr fest, sondern postulierte die Option, "die billige Braunkohle" zur Energieversorgung vorhalten zu müssen. In der zweiten Leitentscheidung wurde eine wasserwirtschaftliche Schutzlinie eingeführt. Damit fielen die Orte Kückhoven, Terheeg, Kaulhausen, Venrath und Wanlo aus dem Plangebiet heraus.
März 93: Der Widerstand bekam unerwartete Schützenhilfe: In der CDU Bundestagsfraktion wurde Anfang des Jahres 1993 die Frage laut, inwieweit der Tagebau noch nötig sei oder ob er zeitlich zu verschieben wäre. Erstmalig wurde (wohl auf Druck der CDU Bundestagsabgeordneten aus den östlichen Bundesländern) die Forderung laut, alle Braunkohlenfelder Deutschlands in die energiepolitischen Überlegungen mit einzubeziehen.
Der Widerstand wurde sowohl bei den Kommunen als auch bei den Bürgern intensiver: Die rigide und obrigkeitsstaatliche Vorgehensweise der Planungsbehörde bei der Befragung in Otzenrath stieß auf herbe Kritik.
März/April 93: 6 katholische Pfarreien aus dem betroffenen Gebiet veröffentlichen ihre Beschlüsse, kein Kirchenland dem Tagebau zur Verfügung zu stellen.
März 1993: Der BKA beschließt die Offenlegung
April 1993 Bürgermeister Stein (Erkelenz) beantragt im BKA eine einmonatige Verlängerung der Offenlegungsfrist und nimmt nochmals sehr kritisch zum geplanten Projekt Stellung.
September 93, Ende der Offenlegungsfrist: Die Vereinten Initiativen übergeben 5.300 Anregungen und Bedenken auf der Ratssitzung der Stadt Erkelenz am 16.9.93. Der erste Beigeordnete Dr. Schmitz gibt der Presse bekannt: Insgesamt sind 8.900 Anregungen und Bedenken in Erkelenz eingegangen. Die Bürger haben Bedenken in folgenden Problemfeldern des Tagebaues geäußert:
- Wasserhaushalt 10,8%
- Sozialverträglichkeit (Umsiedlung) 9,2%
Die restlichen Anteile verteilen sich auf die Themen:
Energiepolitische Erfordernis des Tagebaues, Leben, Gesundheit und Wohlbefinden der Bürger, Lärm - und Staubbelästigung, Luft und Naturhaushalt.
Besonders negativ bewertet wurden die Ausgleichsmaßnahmen von Rheinbraun zum Wasserhaushalt. " Die Akzeptanz des Tagebaues Garzweiler II ist nicht einmal ansatzweise gegeben!" (EVZ 25.9.93)
Im nun abgeschlossenen Offenlegungsverfahren gingen beim Regierungspräsidenten 18.500 Anregungen und Bedenken von Bürgern und Organisationen ein.
Dies hat die sehr ehrgeizige und zeitlich eng gesteckte Terminplanung des Braunkohleausschusses in Frage gestellt.
Die Landesregierung nimmt im Moment zu Anfragen zum Tagebau Garzweiler II keinerlei Stellung, sie verweist auf ein schwebendes Verfahren und auf die Verantwortlichkeit des Braunkohlenausschusses.
September 1993: Erstes Bundestreffen der Braunkohlengegner mit den Betroffenen aus der Lausitz.
2. Die Situation in den von einem möglichen Tagebau betroffenen Ortschaften

2.0. die betroffenen Ortschaften
2.0.1 Die laut Planung möglicherweise erstbetroffenen Orte
Im Bereich des geplanten Tagebaues Garzweiler II sind die von der Planung erstbetroffenen Orte in der Reihenfolge des geplanten Abrisses: Otzenrath (2006), Holz (2008), Pesch (2009), Spenrath (2010), Borschemich (2015) und Immerath (2017). In einem Zeitraum von nur knapp 30 Jahren will Rheinbraun lt. Braunkohlenplan insgesamt 6 Dörfer mit insgesamt 1.763 Haushalten und knapp 4.600 Menschen umsiedeln.
In der ursprünglichen Planung war als erster Drehpunkt des Tagebaues der Ort Immerath vorgesehen. Aus diesem Grunde hat Rheinbraun auch dort schon eine beträchtliche Anzahl von Anwesen (ca. 60 - 70) und viele Grundstücke gekauft.
Später wurde der erste Drehpunkt in den Bereich Jüchen / Jackerath verlegt, so dass danach im Bereich Otzenrath, Spenrath und Holz mehr Anwesen und Grundstücke vom Bergbautreibenden aufgekauft wurden.
Die sozialen Schädigungen, die in den erstbetroffenen Ortschaften bis zum jetzigen Zeitpunkt entstanden sind, können verglichen werden, mit denjenigen Schädigungen, die bei einer Umsiedlung zu beobachten sind:
Verlust von Lebens - und Wohnqualität
Entsolidarisierung der Dorfbewohner
Psychosozialer Druck: Was passiert mit unserem Dorf?
Unsicherheiten in der individuellen Lebensplanung
Stagnation der Dorfentwicklung
Wertverlust der Immobilien
Die Wirkung auf die Vereine.
Diejenigen Gruppierungen, die das soziale Leben in einem Dorf maßgeblich mitgestalten, die Vereine, haben schon jetzt erhebliche Einbrüche im Vereinsleben sowohl sozialer als auch finanzieller Art zu verzeichnen.
Die Wirkung der Immobilienaufkäufe durch den Bergbautreibenden
Rheinbraun hat in folgenden Ortschaften bisher folgende Immobilienkäufe getätigt:
- Holz: ca. 5, von insgesamt 150 Anwesen
- Otzenrath 70, von insgesamt 480 Anwesen
- Spenrath ca. 6, von insgesamt 50 Anwesen
- Pesch ca. 5-6, von insgesamt ca. 35 Anwesen
- Immerath ca. 60, von insgesamt 247 Anwesen
Die Erfahrung bei bisherigen Tagebauen zeigt: Wenn erst einmal ca. 15 % der Häuser eines Ortes im Besitz der Fa. Rheinbraun ( alles "Notverkäufe" genannt) sind, wird die soziale Erosion so stark, dass die Bevölkerung in der Regel unter den Druck gerät, so schnell wie möglich umsiedeln zu wollen. ("Wenn die da oben den Tagebau schon durchpauken wollen, dann will ich so schnell wie möglich weg, solange ich noch irgendwo anders neu anfangen kann")
Es herrschen jedoch z.T. sehr unrealistische Vorstellungen und Phantasien, was man als Einzelner gegenüber Rheinbraun alles erreichen kann! So spielt bei den erstbetroffenen Orten des geplanten Tagebaues Garzweiler II z.B. die schnelle Ausweisung eines Umsiedlungsstandortes eine wichtige Rolle. Die Betroffenen meinen (und bekommen das von vielen Befürwortern auch eingegeben), dann hätten sie nach Ausweisung des Standortes auch den "Umsiedlerstatus" und könnten günstiger an Rheinbraun verkaufen. Die große Unsicherheit bezüglich Termine, Fakten und des W I E einer Umsiedlung wird beklagt. Unterschiedlichste Informationen sind im Umlauf. Wenn die Herausgeber von Informationen zum Tagebau, durch Eigeninteresse bedingt, verdeckte Ziele haben, ist zu erwarten, dass die Informationen durch das erstrebte Ziel entsprechend beeinflusst sind.
Hier käme gerade den Kirchen eine wichtige Aufgabe zu:
Einerseits ist klar, dass sie am Umsiedlungsprozess kein eigenes Interesse im Sinne von Profit oder Erfolg haben. Zum anderen genießen gerade sie im ländlichen Bereich noch einen sehr hohen Vertrauensbonus bei der Bevölkerung (Vgl. Sozialverträglichkeitsgutachten Zlonicky)
2.0.1.1. Die Ortschaften in der Gemeinde Jüchen
Von der Gemeinde Jüchen sind die Ortsteile Otzenrath, Spenrath und Holz betroffen.
Die Gemeinde Jüchen, als erstbetroffene Kommune, hat schon sehr konkrete Umsiedlungsplanungen vorgenommen. Dies trotz eines einstimmigen Ratsbeschlusses aus dem Jahre 1987: " Keine weitere Umsiedlung auf dem Gebiet der Gemeinde Jüchen."
Die SPD Minderheitsfraktion der Gemeinde Jüchen stand bis etwa Mitte 1990 auf einen harten Ablehnungskurs. Mitglieder der CDU waren eher Befürworter des Tagebaus und nahmen den durch die Planungssituation entstehenden sozialen Druck zum Anlass, möglichst schnell eine Entscheidung herbeizuführen. Ihrem Handeln entspricht jedoch eher die Arbeit in Richtung Umsiedlung, als der Herbeiführung des Nichtzustandekommens eines Tagebaus zum Schutz der eigenen Ortschaft.
Dieser Ort gehört kirchlicherseits zur Pfarrei St. Pantaleon in Hochneukirch bzw. zur evangelischen Kirchengemeinde Jüchen, Pfarrbezirk Hochneukirch-Otzenrath.
Im Ort gibt es eine Bürgerinitiative "Ja zur Heimat Holz", die sich im Jahre 1991 gegründet hatte. In Holz sind etwa 5 Anwesen von Rheinbraun bereits gekauft. Die reale Arbeit der Bürgerinitiative ging wahrscheinlich auf Grund der Aufkäufe dahin, sich aktiv um einen Wunschstandort zu kümmern und sich dafür einzusetzen. Der Wunschstandort wurde für die Holzer gefunden und seitdem ist es um die Bürgerinitiative nach außen still geworden. Klima: Viele Holzer haben sich mit dem Tagebau abgefunden und glauben mit der Umsiedlung günstig an ein neues Anwesen zu kommen. Ausgesprochen oder auch unausgesprochen erwarten sie, dass "Rheinbraun den größten Teil davon bezahlt".
Die Ortschaften Otzenrath und Spenrath
Die beiden Orte sind soziologisch als eine Einheit zu betrachten. Sie gehören zur katholischen Kirchengemeinde St. Simon und Thaddäus Otzenrath und zur evangelischen Kirchengemeinde Jüchen, Pfarrbezirk Hochneukirch-Otzenrath. Beide Kirchengemeinden verfügen im Ort über entsprechende Räumlichkeiten bzw. eine Kirche.
Für diese beiden Orte hatte sich eine Bürgerinitiative gegründet, die anfänglich konsequent und kompromisslos gegen den Tagebau eingestellt war. Nach einem "Skandal", der Vorsitzende der Initiative hat als Mitglied einer Erbengemeinschaft ein Haus an Rheinbraun verkaufen müssen, kam der Widerstand im Ort gänzlich zum Erliegen.
Die Bürger fühlten sich betrogen und unterstellten dem Vorsitzenden Machenschaften mit Rheinbraun. Eine Information im Sinne einer Aufarbeitung hat nie richtig stattgefunden.
Im Jahr l990 gründete sich auf Anregung der Kommune Jüchen die ITOS (Interessengemeinschaft Otzenrath/Spenrath). Die Gründerzeit war hauptsächlich von vertrauensbildenden Maßnahmen und Informationen von Bürgern geprägt. Das anfänglich starke Desinteresse konnte jedoch mit der Zeit abgebaut werden. Die Initiative entwickelte sich zu einem ernst zu nehmenden Faktor im Braunkohlengeschehen der Gemeinde.
Die erste Zielsetzung dieser Bürgerinitiative ist es, den geplanten Tagebau politisch zu verhindern.
Da Otzenrath und Spenrath erstbetroffene Orte dieses möglichen Tagebaues sein werden, hat sie sich noch eine zweite Zielsetzung gegeben :
Einflussnahme der Bürger auf den laufenden Planungsprozess im Sinne möglicher Schadensbegrenzung.
Die Betroffenen sehen für ihre Orte folgende Situation:
» Im Vorlauf des Tagebaus entstanden in unseren Gemeinden bereits erhebliche Benachteiligungen und soziale Schäden. So kam es zu einer Abwanderung junger Bürger. Der Immobilienmarkt ist quasi nicht mehr existent und somit Rheinbraun einziger und preisbestimmender Käufer möglicher Häuser. In unsere Gemeinden wurde nicht mehr investiert, was einen Verlust an Lebensqualität nach sich gezogen hat. Hier sei auch die Nähe zum laufenden Tagebau Garzweiler I mit den damit verbundenen Belastungen für das Dorf erwähnt.
Neben der Zerstörung des äußeren Erscheinungsbildes und vieler innerer Zusammenhänge, die sich jetzt schon in den Orten bemerkbar machen, ist auch eine Auseinanderdividierung der Menschen festzustellen.
Die Mieter sind sehr stark verunsichert, für sie ist eine Lebensplanung fast unmöglich, wollen sie als Otzenrather am alten bzw. neuen Ort weiterleben.«
Bezüglich der beiden Kirchengemeinden ist noch folgende Besonderheit zu bemerken:
Die katholische Gemeinde hat ihr Augenmerk auf eine bevorstehende Umsiedlung gerichtet. Die verantwortlichen Gremien und der Pfarrer planen schon jetzt die Umsiedlung ihrer Pfarrgemeinde. Das Tagebauprojekt an sich wird weniger in Frage gestellt.
Die evangelische Gemeinde hält sich hier eher etwas zurück. Sie würde bei einer Umsiedlung so viel Substanzverlust an Gemeindemitgliedern haben, dass sie zur Zeit überlegt, ob die Verkaufserlöse in diesem Falle neben der Erstellung eines Treffpunktes für die Gemeinde besser in Altenwohnungen investiert werden sollen. Die evangelische Gemeinde steht nach wie vor dem Tagebaubauvorhaben sehr kritisch gegenüber.
Diese unterschiedlichen Einstellungen der beiden Kirchengemeinden kann dazu führen, dass die Verunsicherung der Bürger weiter gesteigert wird. Die Angst vor dem Verlust der angestammten Heimat, dem übermächtigen Verhandlungsgegner Rheinbraun und individuelle Existenzsorgen sind gegenwärtig. »Freundschaften und menschliche Beziehungen zerbrechen. Kritische Stimmen reden schon jetzt von Entsolidarisierung. Man ist sich nicht sicher, ob die wenige Zeit für die Planung reicht. Vor allem Besitzer kleiner und älterer Häuser wissen nicht, ob sie für die geringe Entschädigung einen Neubeginn planen können.«
Betrachtet man die Situation, zeigt sich ein Dilemma: Einerseits wollen viele Otzenrather und Spenrather ihre Heimat nicht verlieren, - wie sehe jedoch die Alternative für eine Zukunft im angestammten Dorf aus?
Direkt am Tagebaugebiet angrenzende Orte wären mehr oder weniger der Dreckpuffer für die weiter entfernten Gemeinden.
Vernachlässigt und quasi "Dead End" ohne jede Entschädigung.
In letzter Zeit wurden Informationen bekannt, dass Rheinbraun ein Beratungsbüro im Ort eröffnen will. Dies, so befürchten viele, wird den Prozess der sozialen Erosion im Dorf noch beschleunigen. " Unser Dorfklima ist schon so kaputt, dass es, sollte der Tagebau nicht genehmigt werden, wenigsten zwei Generationen dauert, bis der Schaden einigermaßen behoben ist. - Eigentlich müsste man uns Otzenrathern ja die Umsiedlung wünschen".
2.0.1.2. Die Ortschaften in der Stadt Erkelenz
Immerath, Pesch, Lützerath (Pfarrei St. Lambertus)

»Immerath liegt westlich der A 61 unweit des Autobahnkreuzes Jackerath. Die bauliche Entwicklung des Ortes hat sich vorrangig entlang zweier Straßenzüge gebildet, die sich in der Ortsmitte kreuzen.
Die Ortssilhouette wird durch die neuromanische Kirche St. Lambertus geprägt, die sich genau in der Ortsmitte befindet. Dieses Zentrum stellt ein attraktives Ensemble von Kirche, der sie umgebenden Grünfläche und einer großen Hofanlage (Fuhrmannshof) dar.
Weitere ortsbildprägende Gebäude sind der "Krapollshof" am westlichen Ortsrand und die ehemalige Klosteranlage Haus Nazareth mit dem gleichnamigen Krankenhaus. Die Existenz des Krankenhauses war vor einigen Jahren gefährdet - sicherlich auch eine Folge des drohenden Tagebaues. Auch gab es angesichts der ungeklärten Situation des Ortes erhebliche Schwierigkeiten, einen neuen Chefarzt zu finden.
Landschaftsprägend ist die südlich des Ortes an der L 277 gelegene Turmwindmühle von 1780, in deren Nachbarschaft sich auch der ehemalige Bahnhof befindet.« Diese Windmühle wurde den Widerstandsgruppen gegen den Tagebau Garzweiler II als "Wahrzeichen des Widerstandes" von der Stadt Erkelenz zur Nutzung zur Verfügung gestellt.
»Nordöstlich der Kirche sind noch Reste von Gräben und Wällen des untergegangenen Rittersitzes Immerath zu finden. In der ersten urkundlichen Erwähnung (1144) hieß der Ort "Emundrode".
Immerath hat einen hohen Anteil an Geschäften, die teilweise auch Versorgungsfunktionen für die umliegenden Orte übernehmen.
Das Immerather Hermann-Josef-Krankenhaus II - Haus Nazareth- hat 100 Betten und enthält Fachabteilungen für Geriatrie, Urologie und Augenheilkunde.
Die Zahl der Bewohner nahm in den 50er und 60er Jahren durch ein Neubaugebiet im südwestlichen Teil der Ortschaft zu, ging in den 70 Jahren deutlich zurück und stagnierte seitdem.« (Charakteristisch für von Umsiedlung betroffene Orte.) Im Frühjahr 93 hat die Stadt Erkelenz eine "Baulückenschließung" vorgenommen. Seitdem gibt es in Immerath wieder Bauplätze.
Als sozialstrukturelle Besonderheit des Ortes ist der hohe Anteil von Mietern (ca. 48 %, Volkszählung 87) unter den Bewohnern hervorzuheben.
In Immerath gibt es die katholische Pfarrgemeinde St. Lambertus, zu der auch noch die Orte Pesch und Lützerath gehören. Die Orte Immerath, Pesch und Lützerath gehören zur evangelischen Pfarrgemeinde Jüchen (Gemeindebezirk Otzenrath)
Folgende Vereine sind im Bereich des Ortsteiles Immerath tätig:
- Kirchenchor Immerath,
- Schützenbruderschaft,
- Frauengemeinschaft,
- Sportverein,
- Freiwillige Feuerwehr,
- Kinderchor Immerath,
- Karnevalsgesellschaft und
- eine große Zahl privater Kegelclubs.

»Pesch ist die östlichste Erkelenzer Ortslage. Der Ort liegt zwischen den Bundesautobahnen A 61 und A 44 und grenzt an Immerath, zu dessen Stadtbezirk die Siedlung gehört.
Das Ortsbild des ländlich geprägten Straßendorfes wird durch den denkmalgeschützten Pescher Hof am westlichen Ortseingang geprägt, einem ehemaligen Rittersitz, der heute noch landwirtschaftlich genutzt wird. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 1265 als "Werencenrode".
Ein kleines Neubaugebiet befindet sich am südlichen Ortsrand. Nordöstlich der Ortslage befindet sich ferner ein zu Pesch gehörendes Einzelanwesen (Landwarenhandel und Wohnhaus).
Die Bevölkerungszahl war in den 50er Jahren stark rückläufig, sie blieb aber in den letzten 30 Jahren weitgehend konstant.«
Pesch bildet mit Immerath zusammen eine gemeinsame Ortschaft, die im kirchlichen Leben und Vereinswesen eine Einheit darstellt.
In Pesch gibt es nur einen Verein: Gesangsverein Liederlust Pesch

»Lützerath ist seit seinem Bestehen ein Ortsteil von Immerath und mit diesem durch die Lützerather Straße verbunden. 1168 wurde Lützerath in einer Urkunde erstmals als "Lutzelenrode" erwähnt. Das Ortsbild wird noch heute von dem Ensemble dreier Höfe geprägt: dem Neuwerker- oder Paulshof, dem Duisiner-, Mönchs- oder Wachtmeisterhof und dem Junkershof. Zu diesem Ensemble gehört auch eine kleine Teichanlage.
Der kleine Weiler westlich der L 277 besteht aus wenigen Hofstellen, davon sechs landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetrieben. Eine Hofanlage steht leer.
Lützerath verzeichnete in den 60er Jahren eine beträchtliche Zunahme der Einwohnerzahl (1970: 105 EW). Dies ist auf Neubauten während dieser Zeit zurückzuführen. In den letzten 10 Jahren ist die Tendenz deutlich abnehmend, vermutlich, weil die jüngere Generation die Siedlung verlässt .«
Dies ist mit Sicherheit auf die Tagebaubedrohung zurückzuführen.
Versorgungsmöglichkeiten und öffentliche Einrichtungen für die Bewohner Lützeraths bieten die nahegelegenen Orte Immerath und Holzweiler.
Situation und Klima in der Pfarrei Immerath (Pesch und Lützerath)
Die Pfarrei Immerath war in der ursprünglichen Planung als Drehpunkt des geplanten Braunkohlentagebaues vorgesehen. Aus diesem Grunde hat Rheinbraun hier und im Ortsteil Pesch schon relativ viele Anwesen gekauft (Immerath ca. 60 - 70, Pesch ca. 5-6). Nicht bekannt ist die Anzahl der Grundstücke, auch Baugrundstücke, die schon im Besitz von Rheinbraun sind. Im Jahre 1991/92 hat der Bergbautreibende dann den Drehpunkt der Grube umgeplant. Nach neuerer Planung ist der Ort Immerath 2017, der Ort Pesch 2009 und der Ort Lützerath 2019 für die Abbaggerung vorgesehen.
Diese Situation, zunächst als einer der ersten Orte und nun später zur möglichen Abbaggerung vorgesehen zu sein, hat natürlich in diesen Dörfern zu einer erheblichen Erosion des sozialen Lebens geführt.
Die von Rheinbraun aufgekauften Häuser wurden entweder mit Rheinbraun-/RWE-Mitarbeitern oder von der Stadt Erkelenz angemietet und mit Asylsuchenden besetzt. Der Einzug der Rheinbraun- oder RWE-Mietern führte in den Ortschaften zu Konflikten und teilweise auch zur Auseinanderdividierung der Dorfbewohner:
Hier die Stimmungsmache der Betroffenen vom Tagebau einkommensmäßig abhängigen Mitarbeiter, dort die Leute, die im Widerstand gegen den Tagebau Garzweiler II stehen und ihre angestammte Heimat nicht verlieren wollen.
Für den Ort Pesch wird das Ortsklima von einem Betroffenen treffend so beschrieben:
"Das erste Haus war verkauft, ein Mitarbeiter von Rheinbraun zog ein und war sehr schnell im Gesangverein. Dies führte innerhalb des Vereins zu Auseinandersetzungen. Die Meinungsverschiedenheiten haben das Klima im Verein sehr stark belastet."
Ein weiterer Einflußfaktor auf das soziale Leben in den drei Dörfern stellte die Einweisung von ca. 219 Asylbewerbern dar, die ohne entsprechende Vorbereitung der Dorfbevölkerung geschah.
Potenziert wurde die Negativbeeinflussung auf die Bürger von Pesch durch wenig klare Aussagen der Planungsverantwortlichen:
"Pesch ist ein Dilemma" (Dr. Porada, RP) und die eher als Profilierungsversuche einzustufenden Forderungen einiger Kommunalpolitiker, die das Problem dadurch lösen wollen, indem so schnell wie möglich schon jetzt für die Orte Immerath, Lützerath und Pesch ein Umsiedlungsstandort ausgewiesen wird.
Die Pfarrei St. Lambertus versuchte zwar durch verschiedene Aktivitäten die Integration der Bevölkerungsgruppe der Asylbewerber zu erleichtern. Es gelang jedoch nur zum Teil, die aufgekommenen Ressentiments bei vielen Dorfbewohnern abzubauen. Das Spannungsfeld, hier der drohende Heimatverlust der Dorfbevölkerung selber, das erleben des sozialen Auseinanderfallens und andererseits die "Fremden, die auf unsere Kosten leben" - ist eine massive Belastung des Dorflebens und wirkt sehr zermürbend.
Tendenzen zum ausländerfeindlichem Denken sind bei manchen in der Bevölkerung , wahrscheinlich verstärkt durch die soziale Überdrucksituation im Dorf, eindeutig feststellbar.
Insgesamt kommt im Ort sehr viel Wehmut durch die Tagebaubedrohung über, die jedoch noch nicht in Resignation umgeschlagen ist. Es bestehen viele Fragen bezüglich der Situation, mit der man konfrontiert wäre, wenn der Tagebau käme.
"Die da Oben" (Landesregierung/Rheinbraun) werden als Übermacht empfunden. Besonders betroffen sind die 'alten' Leute (ab ca. 60 - 65), die sich meist nur mit Verdrängung zu helfen wissen: "Den Tagebau erleben wir ja doch nicht mehr". Hinzu kommt noch folgende Belastung: Die Bürger haben ebenfalls in der subjektiven Lebensplanung eine Zwangsstagnation.
Kennzeichen für die eher ablehnende Haltung dem Tagebau gegenüber mag die relativ hohe Beteiligung am Offenlegungsverfahren (935 Einwendungen) in den 3 Orten sein, obwohl die schon deutlich erkennbaren sozialen Schädigungen eher eine resignative Haltung fördern könnte.
Die Pfarrei Immerath hat seit einigen Jahren eine sehr deutliche Position gegen den Tagebau Garzweiler II bezogen. So gehörte sie auch zu einer der ersten Pfarren im Dekanat, die schon vor der Dekanatratsresolution einen Beschluss gefasst hatte, dem Tagebau kein Kirchenland zur Verfügung zu stellen. Auch wollte sie ein bewusstes Zeichen setzen, indem sie in Kooperation mit den Grünen im Landtag geplant hatte, auf Kirchengelände ein Windrad in Immerath aufzustellen. Dies scheiterte jedoch an baurechtlichen Auflagen. Danach war geplant, an den Ökofonds der Grünen im Landtag ein am Ortsrand gelegenes Ackergrundstück zur Nutzung als "Ökoacker" zu verkaufen. Dies wurde jedoch durch die Baulückenschließung der Stadt verhindert.
Der Pfarrgemeinderat hat einen Sachausschuss" Garzweiler II", der schon verschiedene Aktivitäten für die Pfarrei durchgeführt hat.
Die Pfarrei St. Lambertus versucht, die von Rheinbraun aufgekauften Häuser zu mieten, um sie ihrerseits an Immerather Bürger oder Menschen in Not weiterzuvermieten. Hier scheint es in Gesprächen mit Vertretern von Rheinbraun schon Schwierigkeiten (Interessenskonflikte) bezüglich der ablehnenden Haltung von Pfarrer und Pfarrei dem Tagebau gegenüber gegeben zu haben.
Borschemich (Pfarrei St. Martin)

»Borschemich liegt östlich der Autobahn A 61 im Talbereich des Baches "Die Köhm". Entstanden ist die Siedlung an dem parallel zum Bach verlaufenden Verkehrsweg von Keyenberg nach Otzenrath. Urkundlich erwähnt wird der Ort erstmals 898 als 'Brismike'.
Ortsprägend sind« 15 geschützte Baudenkmäler, u.a. das ehemalige Kloster (1688), die neugotische Kirche St. Martinus (1907) und das um 1600 erbaute Wasserschloss "Haus Paland", dessen Wassergraben heute aufgrund der Tagebausümpfungen trocken liegt. Charakteristisch ist weiterhin die als Naturdenkmal geschützte 350 Jahre alte 'Linde Borschemich', die den Einmündungsbereich der beiden die Dorfstruktur bestimmenden Straßen markiert, sowie zahlreiche Kleindenkmäler der Volksfrömmigkeit.
»Die Ortsdurchfahrt (L 354) besitzt weitgehend dörflichen Charakter, weist jedoch eine Reihe baulicher Mängel auf.
Die Bevölkerungszahl von Borschemich hat in den 70er und 80er Jahren stetig abgenommen; in jüngster Zeit wurde eine leichte Zunahme verzeichnet. Auch vereinzelte Neubauten sind in der letzten Zeit entstanden« und in der Planung.
»An ortsansässigen Arbeitsstätten sind insbesondere ein Möbelhaus, eine Baumschule, sowie mehrere Gärtnereien und 9 landwirtschaftliche Betriebe( 7 Haupt- und 2 Nebenerwerbsbetriebe) aufzuzählen. Borschemich verfügt über eine Mehrzweckhalle und ein Jugendbildungshaus« des Bistums Aachen, einen Sportplatz, zwei Gastwirtschaften; Bauernhöfe versorgen die Bevölkerung mit Milch, Obst und Gemüse; eine Fabrik verkauft ab Werk Herrenkleidung.
Im Ort gibt es die katholische Pfarrgemeinde St. Martin, die maßgeblich (auch im Denken der Dorfbevölkerung) das soziale Leben im Ort gestaltet. Das Vereinsleben wird durch folgende Vereine repräsentiert:
- Schützenbruderschaft von 1636,
- Karnevalsgesellschaft (Rasselbande) von 1972,
- Turn- und Spielverein von 1909,
- Freiwillige Feuerwehr von 1904,
- Musikverein von 1926,
- Kirchenchor von 1848.
Die Menschen in Borschemich sind verunsichert, obwohl noch keine Häuser vom Bergbautreibenden aufgekauft wurden. Um den Verkauf von Ackerland wird z.Zt. von Rheinbraun verstärkt bei den Bauern mit dem Hinweis geworben, "man brauche das Land für die Verbreiterung der A 61 wegen des Tagebaues".
Borschemich war zuerst für einen späteren Abbaggerungstermin vorgesehen, wird laut Planung nun aber durch die Verlegung des Drehpunktes früher für eine mögliche Umsiedlung in Frage kommen (2015).
Verstärkt wurde diese Verunsicherung sicherlich auch durch die Tatsache, dass hier - eine sozialstrukturelle Besonderheit des Ortes - ein hoher Anteil von Mietern (ca. 48 %, Volkszählung 87) unter den Bewohnern vorhanden ist, die in ihrer subjektiven Zukunftsplanung verunsichert sind.
Eine Veranstaltung der SPD Erkelenz im Ort betreffs eines Umsiedlungsstandortes hatte dazu geführt, die Bevölkerung noch mehr zu beunruhigen.
In Borschemich steht trotz vereinzelter Bautätigkeit "sozusagen das Leben still". Eine Entwicklung des Ortes hat in den letzten Jahren kaum stattgefunden, z.B.: "die anstehenden Investitionen bezüglich der Kanalisation lohnen doch nicht mehr!"
In jedem Neubau wird unterschwellig ein Hoffnungszeichen gesehen: " Unser Dorf ist doch noch nicht verloren"
Einerseits stehen Menschen in einer abwartenden Stellung; einige würden dem Druck der Situation am liebsten ausweichen, indem sie ihre Anwesen an Rheinbraun verkaufen, um irgendwo anders einen Neuanfang zu machen.
Andererseits - fragt man die Einzelnen - wollen sie "eigentlich nicht weg, - das was wir hier haben, bekommen wir nie wieder".
Trotz dieser teilweise resignativen Einstellung besteht auch in Borschemich - hauptsächlich bei den Vereinen - eine recht starke Opposition gegen den Tagebau. Es gibt keine Bürgerinitiative im eigentlichen Sinne. Der Widerstand wird koordiniert und Aktionen initiiert durch die Vereinsvorstände und einige wenige Leitungspersonen des Dorfes, die gleichzeitig in führenden Positionen der Vereine und Kirchengemeinde sitzen. Kennzeichen für die eigentlich eher ablehnende Haltung dem Tagebau gegenüber mag die relativ hohe Beteiligung am Offenlegungsverfahren (ca. 480 Einwendungen) im Ort sein.
Die Kirchengemeinde steht sowohl seitens des bisherigen Pfarrers, als auch der übrigen Verantwortlichen eindeutig im Widerstand gegen den geplanten Tagebau. Sie hat auch einen Landverweigerungsbeschluss gefasst und eine negative Stellungnahme gegen den Tagebau an den RP geschickt.
Beim stark ausgeprägten priesterzentrierten Denken in der Pfarrei musste der Weggang des bisherigen Pfarrers zwangsläufig starke Irritationen auslösen. Verbunden mit der Unsicherheit der Nachfolge verstärkte nach der Veröffentlichung des Weggangs, trotz intensiver Überzeugungsarbeit, dieser Fakt noch die Unsicherheit im Dorf. Die mittlerweile geklärte Situation, 'Borschemich bekommt einen neuen Pfarrer', hat wieder eine Stabilisierung im Dorfklima gebracht.
Die Vereine spielen wie auch in den anderen Dörfern eine zentrale Rolle in der Gestaltung des Dorflebens. Auch sind Tendenzen bemerkbar, dass "es immer weniger wird"; d.h. die Orientierung vor allem der jüngeren Menschen geht nach außen und weniger zu den Vereinen im Dorf, so dass durchweg alle Vereine Nachwuchssorgen haben.
Positiv im Sinne der Unterstützung des Dorfes wurde das Engagement des Bistums bezüglich des Jugendbildungshauses bewertet. "Kirche investiert in unserem Dorf, sie gibt uns nicht verloren".
2.0.2. Die von der Planung später betroffenen Ortschaften
Im Bereich des geplanten Tagebaues Garzweiler II sollen die Orte im Erkelenzer Bereich ( Region Heinsberg ) lt. Planung zwischen 2009 und 2040 bergbaulich in Anspruch genommen werden. Aufgrund dieser langen Zeit ist im Erkelenzer Bereich des geplanten Tagebaues Garzweiler II die Situation grundlegend anders als in den noch in diesem Jahrtausend von einer möglichen Umsiedlung betroffenen Orten Otzenrath, Spenrath und Holz:
Geht in den drei oben genannten Orten die Bevölkerung de facto von der de jure noch nicht gefallenen Entscheidung aus, dass ihr Ort abgebaggert wird, so ist hingegen im Erkelenzer Teil des geplanten Tagebaus eine rege Widerstandsbewegung.
In den Orten Pesch, Lützerath und Immerath sind ansatzweise ähnliche soziale Erosionserscheinungen zu bemerken, wie in den betroffenen Orten der Gemeinde Jüchen; jedoch ist der Widerstandswille bei einem Großteil der Bevölkerung noch vorhanden.
In den übrigen Orten schiebt die Bevölkerung das Problem der möglicherweise drohenden Umsiedlung noch vor sich her:
"Wir sind ja noch nicht dran, und wer weiß, was bis dahin ist!". Die Bedrohung durch den Tagebau wird verdrängt und vielfach nach dem Prinzip gedacht: "Der Tagebau kommt zwar, aber vielleicht wird in Zukunft weniger Energie verbraucht und unser Dorf kommt noch einmal davon."
Die reale Gefahr besteht darin, dass sich die Betroffenen in eine scheinbare Sicherheit selbst hineindenken und nichts tun, still halten. Sie lassen dabei jedoch außer Acht, dass aufgrund des gesetzlichen und verwaltungsmäßigen Verfahrens über deren Bedürfnisse und Interesse hinweg geplant wird. Dem wurde durch verschiedenste Aktivitäten von unterschiedlichsten Gruppen, den Pfarren und mir im Rahmen des Offenlegungsverfahrens versucht entgegenzuwirken. Es ist jetzt bei der Bevölkerung nochmals eine Solidarisierung erfolgt:
"Wir haben durch unsere Beteiligung am Verfahren (ca. 8.500 Einwendungen aus dem betroffenen Gebiet der Stadt Erkelenz) deutlich unsere Meinung gegen den Tagebau kundgetan."
Ein weiteres Problem:
47 Jahre bis zur geplanten Inanspruchnahme des letzten Dorfes. Die politische Dimensionen sind für die Vorstellungen der Leute im wahrsten Sinne des Wortes "unfassbar", sowohl rational, als auch emotional.
2.0.2.1 Holzweiler (Pfarrei St. Cosmas u. Damian)

»Holzweiler liegt im Kernbereich der Erkelenzer Börde. Die wichtigsten Staßenzüge sind die L 12 aus Richtung Keyenberg nach Katzem und die Landstraße von Immerath nach Kückhoven (Ortsumgehung über die L 19).
Auffallendes Charakteristikum des Ortes ist sein Grundriss: Ein sternförmig aufeinander zulaufendes Straßensystem mit der katholischen Kirche St. Cosmas und Damian (1857 - 59) in der Ortsmitte. An der im Zentrum gelegenen Kirche gab es einen Weiher ("Holzweiler Maar"), der erst im 20. Jh. völlig beseitigt wurde und der früher eventuell mit dem Fronhof verbunden war. An die Kirche schließt sich in nördlicher Richtung eine denkmalgeschützte Hofanlage an. Urkundlich genannt wird der Ort erstmals 898 ("Holzunilare"). «
In der Nähe von Holzweiler wurde im Jahre 1992 das bisher älteste Holzbauwerk Europas gefunden: Ein 7.000 Jahre alter, in Holz eingefasster Brunnen.
»Identifikationspunkte für die Bevölkerung dürften auch die zwischen Holzweiler und Kückhoven gelegenen Höfe sein: Roitzerhof, Eggeratherhof und Weyerhof « (vgl. Ende dieses Abschnitts).
»In den 60er und 70er Jahren entstanden am Ortsrand neue Wohnsiedlungen. Seit dieser Zeit blieb die Bevölkerung konstant.
Die örtliche Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs ist durch einen relativ hohen Anteil an Geschäften und Gaststätten gewährleistet,« obwohl gerade in den letzten 10 Jahren 3 Geschäfte geschlossen haben ( 1 Drogerie und 2 Lebensmittelläden). »Holzweiler hat auch eine überörtliche Versorgungsfunktion für die benachbarten Orte. Die Gemeinschaftseinrichtungen reichen vom Freizeitheim bis zum katholischen Kindergarten. Im Ort und am Ortsrand sind verschiedene gewerbliche Betriebe vorhanden (u.a. Seilerei, Papierfabrik, und Transportunternehmen) Evangelischerseits gehört die Gemeinde zur Kirchengemeinde Lövenich.
Für ein sehr reges Vereinsleben spricht die Zahl von derzeit 12 Vereinen, darunter zwei Sportvereinen, die über eine große Sportanlage u.a. mit Tennisplatz verfügen und der Schützenverein.«
Die Vereine von Holzweiler:
- Deutsches Rotes Kreuz,
- Bürgerinitiative gegen Garzweiler II,
- Katholische Frauengemeinschaft,
- Freiwillige Feuerwehr,
- Kanarienzüchterverein "Farbfroh",
- Kirchenchor,
- Männergesangverein "Liedertafel",
- Sportverein,
- Dorfgemeinschaft
- St. Sebastianusschützen, mit den Jungschützen und einer Damengruppe,
- Taubenzüchterverein "Wiedersehen",
- Turnverein,
- Trommler und Pfeiferchorps, so wie viele private Kegelclubs.
Holzweiler ist gemäß der aktuellen Planung erst im Jahre 2027 zur Abbaggerung vorgesehen (Umsiedlungsbeginn 2017). In Holzweiler sind keine Anwesen an Rheinbraun verkauft. Das Widerstandspotential ist in Holzweiler sehr hoch. Im Dorf gibt es eine Bürgerinitiative, die aus ca. 10 aktiven Menschen und den Vereinsvorständen besteht.
Bei Bedarf arbeiten diese sehr eng mit den örtlichen Vereinen zusammen. Meine Einstellung als Gemeinwesenarbeiter war Anlass, sich nach längerer Zeit wieder einmal zu treffen und nächste Schritte gemeinsam zu überlegen. Dass "Kirche" speziell zur Unterstützung der Menschen in der Tagebauproblematik einen Hauptamtler im Bereich eingesetzt hat, hatte in Holzweiler einen starken Impuls.
Die Stimmung im Dorf ist wie folgt zu charakterisieren:
"Die da oben machen ja sowieso, was sie wollen; sie haben das Geld und die Macht, dagegen kommen wir nicht an". Diese resignative Haltung, gepaart mit Politikverdrossenheit, führte in Holzweiler in der Vergangenheit bei vielen Leuten zu einer Art Vogel-Strauß-Haltung, man ist später betroffen und braucht sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht mit dem Problem zu belasten.
Die Stadt Erkelenz setzte ein Zeichen, indem sie ein neues Baugebiet (Im Kindsfeld) auswies, darüber hinaus wurde eine Baulückenschließung erarbeitet und beschlossen. Der tagebaubedingte Einbruch des Immobilienmarktes führte zu niedrigen Baulandpreisen, es konnte für erschlossenes Bauland nur noch DM 75,00 pro qm verlangt werden. Diese Tatsache lockte nicht nur einheimische, sondern auch auswärtige Bauwillige an.
Die Pfarrgemeinde Holzweiler ist in das Dorfleben integriert. Die Kirchengemeinde St. Cosmas und Damian hat sich als eine der letzten in die Landverweigerungsaktion der Kirchengemeinden eingebracht. War vorher bei der Bevölkerung eher ein ambivalentes Verhältnis zu Pfarrei und zum Pfarrer zu verspüren, so hat sich der Beschluss der Pfarrgemeinde und dessen Begründung sehr positiv auf die Einstellung der Dorfbevölkerung zu 'ihrer Kirche' ausgewirkt.
Die Menschen fühlen sich individuell gestärkt in der ablehnenden Haltung zum Tagebauprojekt, und "unsere Kirche ist auf unserer Seite".
Gekoppelt mit einer Haus-zu-Haus Aktion anlässlich der Offenlegung des Braunkohlenplanes durch die Bürgerinitiative und den Vereinen wurde ein Zusammenwachsen der Bürger bemerkbar. (Un- bewusst wächst die Solidargemeinschaft, man wird gestärkt im Widerstand). Es konnte so festgestellt werden, dass die meisten Holzweiler Bürger nach wie vor den Tagebau ablehnen. Das Thema: Bedrohung durch den Tagebau ist wieder in aller Munde, es wird auch öffentlich darüber diskutiert. Dies wird u.a. belegt durch eine Beteiligung am Offenlegungsverfahren von ca. 950 Einwendungen. Ausnahmen stellten nur diejenigen dar, die direkt oder deren Verwandtschaft erwerbsmäßig von Rheinbraun oder RWE abhängig sind.
Auch in Holzweiler bestehen enge personelle Verbindungen zwischen Pfarrei und der vor Ort arbeitenden Bürgerinitiative.
Die vier Feldhöfe zwischen Holzweiler und Kückhoven
Geplanter Abbaggerungstermin: 2030/2039
Voraussichtlicher Beginn einer möglichen Umsiedlung: 2020/2029
»Die zwischen den größeren Siedlungen liegenden Feldhöfe sind markante Erscheinungen im Landschaftsbild.
Auf halbem Weg zwischen Holzweiler und Kückhoven liegen drei mächtige, zum Stadtbezirk Holzweiler gehörende Bauernhöfe: Eggerather-, Roitzer- und Weyerhof. Nordöstlich von Katzem ist an der Landstraße nach Holzweiler der Hauerhof (Stadtbezirk Katzem) angesiedelt. Die im nordwestlichen Gemarkungsbereich von Holzweiler liegenden Feldhöfe weisen einige Besonderheiten zu den Dorfhöfen auf. In den Feldhöfen bestimmt nicht die Grundherrschaft, sondern verschiedene Adelsgeschlechter. Der Eggerather Hof und Roitzerhof waren, so weit man dies zurückverfolgen kann, frei verkauf- und vererbbar und keinem Grund- und Landesherrn unterstellt. Zudem besaßen sie als Rittersitze besondere Rechte. Die Geschichte des Weyerhofes ist dagegen weniger gut dokumentiert.«
Eggeratherhof, 10 Einwohner (1197 erste urkundliche Erwähnung)
Roitzerhof, 12 Einwohner (1341 erste urkundliche Erwähnung)
Weyerhof, 8 Einwohner (erste urkundliche Erwähnung im 16. Jh.)
Hauerhof, 11 Einwohner (1656 erste urkundliche Erwähnung)
2.0.2.2. Keyenberg (Pfarrei Heilig Kreuz)

»Keyenberg liegt im nördlichen Bereich des Abbaugebietes, westlich der A 61 und an der L 277, die nach Mönchengladbach führt.
Der Ort hatte Straßendorfcharakter, der sich durch rege Neubautätigkeit deutlich verändert hat. Die Siedlungsleitlinie ging vom Keyenberger Markt aus, der in einer Ausbuchtung der Durchgangs- straße lag, die nach Osten in Richtung Borschemich und im Süden nach Holzweiler führt. Das Erscheinungsbild wird durch einige denkmalgeschützte größere Hofanlagen in der Ortsmitte (Claessen- oder Schmitzhof, 1890, Ringelkamp- oder Helpensteinhof, 1863) und durch das Haus Keyenberg, einem ehemaligen Rittergut und der "Keyenberger Motte" (Reste der wasserumwehrten Fluchtburg der Kelten) geprägt, ebenso durch die Kirche und das Pfarrhaus mit seiner Backsteinmauer. Erstmals urkundlich erwähnt wird der Ort 893 als "Cheyenburhc".
Im Norden wird der Ort von der Niersaue umgeben, an der sich auch verschiedene Sportplätze sowie eine Reithalle befinden. Grünstreifen durchziehen andere Teile der Ortslage.
An Gemeinschaftseinrichtungen stehen in Keyenberg die Gemeinschaftsgrundschule und der katholische Kindergarten, ein Freizeitheim sowie ein breites Angebot an Sportanlagen zur Verfügung.
Bemerkenswert ist der hohe Anteil an Erholungs- und Freiflächen.
Das kirchliche Leben wird durch die katholische Pfarrgemeinde Hl. Kreuz gestaltet.« Keyenberg gehört zur evangelischen Kirchengemeinde Otzenrath. »Die Bevölkerungsentwicklung Keyenbergs zeigt seit dem Beginn der 60er Jahre eine stetig ansteigende Tendenz, zurückzuführen ist dies auf die rege Neubautätigkeit im westlichen und südlichen Teil des Ortes.«
Zum Ort Keyenberg und damit zur Pfarrei gehören die Ortsteile Berverath, Unterwestrich und Oberwestrich.

»Berverath ist ein kleiner, stark ländlich geprägter Ort mit 10 landwirtschaftlichen Betrieben. Im Ortsbild überwiegen vierflügelige Backsteinhofanlagen, die zum großen Teil noch landwirtschaftlich genutzt werden; fünf dieser Gebäude stehen unter Denkmalschutz. Bemerkenswert ist weiterhin die neubarocke Kapelle St. Josef (1909). Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte 1377 als "Berveldroide".
An der Straße in Richtung Kuckum und im nordöstlichen Teil sind einige neue Gebäude entstanden. Dadurch stieg in den 70er Jahren die Bevölkerungszahl, sie ist in den letzten 10 Jahren jedoch rückläufig.
Berverath ist im Einzugsbereich von Garzweiler II die einzige Siedlung mit einem deutlich überdurchschnittlichen Anteil älterer Bewohner: Rund ein Viertel (24,3%) war zum Zeitpunkt der Volkszählung 1987 65 Jahre und älter (im Gesamtgebiet: 14,3%). Zudem fällt auf, dass es (zumindest zum Zeitpunkt der Volkszählung) keine Kinder unter sechs Jahren gab.
Berverath liegt in unmittelbarer Nähe zu den Ortslagen Keyenberg und Kuckum; die Bewohner nutzen deren wirtschaftliche und soziale Infrastruktur.«

»Das Straßendorf Unterwestrich liegt südlich der Niersaue und grenzt inzwischen aufgrund entstandener Neubauten entlang des Kuckumer Quellweges und der Niersstraße an den Ort Kuckum an. Westrich wird 1285 erstmals urkundlich erwähnt, 1818 bestand das Dorf aus den Ortsteilen Unter- und Oberwestrich.
Prägend für Unterwestrich ist am südlichen Ortseingang der Zourshof. Dieser ehemals wasserumwehrte Vierseiter steht unter Denkmalschutz.
Im Ort sind eine Spedition und eine Sparkasse vorhanden die Versorgung für den täglichen Bedarf wird in den nahegelegenen Ortslagen Kuckum und Keyenberg gewährleistet.
Die Bewohner von Unter- und Oberwestrich nehmen am kirchlichen und Vereinsleben Keyenbergs teil.«
Ähnlich wie in Kuckum nahm infolge der Neubautätigkeit die Bevölkerungszahl in Unterwestrich seit den 70er Jahren beständig zu; sie ist allerdings in den letzten fünf Jahren vermutlich, tagebaubedingt, rückläufig.

»Oberwestrich liegt an den Wirtschaftswegekreuzungen Holzweiler, Kuckum und Borschemich-Kaulhausen. Der Kleine Weiler liegt am südöstlichen Ortsrand von Keyenberg und südwestlich der Ortslagen Kuckum und Unterwestrich.
Es besteht aus drei bewirtschafteten vierseitigen Hofanlagen und wenigen Wohngebäuden. Ortsbildprägend sind ferner der Hof im Süden der Ortslage und zwei Kreuze in der Mitte des Weilers.
Die Situation im Erkelenzer Stadtteil Keyenberg
Im Erkelenzer Stadtteil Keyenberg arbeiten folgende Vereine:
- Freiwillige Feuerwehr,
- Turn- und Spielverein 1911,
- Musikverein St. Joseph,
- Kirchenchor Caecilia,
- St. Sebastianus Schützenbruderschaft,
- Brieftaubenverein,
- so wie eine Menge privater Kegelclubs.
Derzeit wird der Widerstand gegen den Tagebau Garzweiler II koordiniert durch den Vorsitzenden des BKA - Unterausschuss Nord, Herrn Theo Clemens (CDU und Fraktionsvorsitzender der Partei im Stadtrat Erkelenz) in Zusammenarbeit mit den örtlichen Vereinsvorständen.
Das Beteiligungsergebnis an der Offenlegung: ca. 730 Einwendungen.
Es besteht in allen Teildörfern eine relativ hohe Identifikation der Bevölkerung mit ihrem Dorf. Es sind keine Anwesen von Rheinbraun gekauft - über die Anzahl der gekauften Grundstücke liegen keine Informationen vor. Es besteht jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass zumindest Äcker vom Bergbautreibenden bereits angekauft wurden. Im Bereich gibt es verschiedenen Beschäftigte bei Rheinbraun oder RWE, die sich jedoch relativ zurückhalten.
Besonders einige Besitzer älterer Häuser scheinen darauf "zu warten, dass Rheinbraun kommt, um einen 'guten Schnitt' beim Verkauf des Anwesens zu machen." Ansonsten ist man in den Orten " noch recht weit vom Tagebau entfernt", man beschäftigt sich relativ wenig mit dem Problem, "da man ja noch lange nicht dran ist - und wer weiß, was bis dahin ist."
Es fallen jedoch die Veränderung der Umgebung auf: Gerade die älteren Menschen können sich noch erinnern. "Das Wasser rund um unsere Dörfer wird weniger, die Niersquellen sind weg, sie haben sich verlagert, kleinere Feuchtgebiete existieren nicht mehr"
Die Kirchengemeinde Hl. Kreuz hat sich recht früh der Landverweigerungsaktion der betroffenen Pfarren angeschlossen. Auch in dieser Pfarrei bestehen engste Verbindungen zwischen den pfarrlich Verantwortlichen und den Gruppen des Widerstandes gegen den Tagebau.
2.0.2.3. Kuckum ( Pfarrvikarie Herz Jesu)

»Kuckum liegt am Talrand der Niers und grenzt im Süden unmittelbar westlich an den Ort Unterwestrich an. Der Ort hat sich als Straßendorf an einem parallel zur Niers verlaufenden Verkehrsweg entwickelt, am westlichen Ortsausgang liegt die Kuckumer Mühle. Die erste urkundliche Erwähnung "Kucheym" reicht in das Jahr 1300 zurück.
Die Silhouette des Ortes wird durch die kleine neugotische Herz-Jesu-Kirche von 1890/91 bestimmt.
Kuckum gehörte von 1816 bis 1972 zum heutigen Mönchengladbacher Stadtteil Wickrath. Die Einwohnerzahl von Kuckum hat sich von 1970 (290 EW) bis Anfang 1992 (472 EW) um mehr als 60% erhöht. Diese Entwicklung ist auf eine beträchtliche Neubautätigkeit zurückzuführen, die sich einerseits auf die Ortseingänge und andererseits auf Flächen an den drei Verbindungsstraßen nach Unterwestrich konzentriert.«
Vereine in Kuckum:
Es gibt einen Sportverein und eine Schützenbruderschaft, darüber hinaus, wie in den anderen Ortschaften, viele private Kegelclubs.
In Kuckum ist ein guter Zusammenhalt im Dorf zu erkennen. Bisher wurden keine Häuser an Rheinbraun verkauft - der Eine oder Andere wird wohl insgeheim auf "die 'goldene' Hand von Rheinbraun warten - wenn sie dann kommen sollte, aber es ist noch recht weit weg"!
2.1. Die Situation in den von einem möglichen Tagebau indirekt betroffenen Ortschaften
Es handelt sich um folgende Erkelenzer Ortsteile: Wockerath, Terheeg, Kaulhausen, Kückhoven, Venrath und Wanlo (Stadtgebiet MG), die in der ursprünglichen Beantragung des Tagebaues ("Große Version") zur Abbaggerung mit vorgesehen waren. Diese Ortschaften sind nach der 2. Leitentscheidung aus der direkten Betroffenheit heraus. " Ich weiß nicht, wer in der glücklicheren Situation ist, diejenigen Orte, die umgesiedelt werden, eine kurze Zeit der Belastung haben, und dann in Frieden am neuen Standort leben können - bei allem Schlechten, was diesen Orten zugefügt wird. Wir müssen immer mit den Belastungen durch den Tagebau leben: Während er durchgeführt wird, mit Lärm, Staub und sonstigen Belastungen; darüber hinaus leben wir in alle Ewigkeit mit einem Restsee, der etwa die Hälfte der Fläche des Tagebaugebietes einnehmen wird (Es ist die Hälfte der Fläche unserer Heimat) und als "natürliches" Gewässer niemals - höchstens nach Jahrhunderten - unseren Nachkommen zur Verfügung stehen wird."
Diese Aussage mehrerer Betroffener kennzeichnet die Situation in diesen Orten. So ist es zu erklären, dass die in diesen Orten arbeitenden Initiativen und Vereine jetzt immer noch vehement im Widerstand sind."
Die Bürgerinitiative Kückhoven hat nach der 2. Leitentscheidung eine Ortsbefragung durchgeführt, ob das Ziel nach der Herausnahme des Ortes für die Bürger erreicht sei oder ob man sich weiter gegen den Tagebau engagieren sollte. Ergebnis: Mehr als 80 % der Bewohner votierten für das Weitermachen.
Hinzurechnen kann man noch die Orte Hochneukirch in der Gemeinde Jüchen und Jackerath in der Gemeinde Titz, die zwar nie vom Tagebau bedroht waren, jedoch - falls Garzweiler II genehmigt würde, mit den Belastungen als Tagebaurandorte leben müssten.
In Bezug auf den Widerstand gegen den Tagebau ist es im Bereich Hochneukirch bzw. Jackerath anders:
Vereinzelte Personen machen sich Gedanken über die auf die Orte zukommenden Belastungen. Einzelne realisieren auch die Situation, dass auf einen Ortsteil (Hackhausen) der Gemeinde Jüchen ein "Menschenzuwachs" von vielleicht nahezu 700 Bürgern zukommt (Der Ort Hackhausen hat derzeit 271 Einwohner) - "Nichts wird nach der Umsiedlung von Otzenrath in unserem Dorf wieder sein wie vorher!"
Auch die Pfarrei St. Pantaleon hätte nach einer möglichen Umsiedlung der Orte Holz und Otzenrath dann einen "Seelenzuwachs" von knapp 1000 Menschen. Hinzu kommt das verständliche Verlangen der Otzenrather, eine selbständige Pfarrei bleiben zu wollen.
Diese Gemeinde wäre nur in einer Randlage zum geplanten Tagebau. Es gibt Vorplanungen seitens einiger Verantwortlicher der Gemeinde, "dass die Gemeinde Titz möglicherweise auch Umsiedler aus dem Bereich Immerath in dieser Ortslage aufnehmen könnte". Hier würde dann, bezogen auf eine mögliche "gemeinschaftliche Umsiedlung" von Immerath eine ähnliche Situation wie im Bereich Inden entstehen: Zwei Kommunen 'buhlen' um die Umsiedler. Das Angebot, Immerather Umsiedler aufzunehmen, ist aus Sicht der Gemeinde Titz verständlich, kennt man die Gesetzeslage: Ein Ort, der schon einmal umgesiedelt wurde, darf nicht mehr 'bergbaulich in Anspruch genommen werden'.
Ausgelöst durch die Diskussion um die 'Anregungen und Bedenken' der Gemeinde Titz sind die betroffenen Bürger in Jackerath und Dachsweiler Hof aufgerüttelt worden und haben jetzt erst fest- gestellt, dass sie Mitbetroffene des geplanten Tagebaues sind. So erfolgte z.B. die Aufstellung eines "Protestortsschildes" 'Stoppt Rheinbraun' in der ersten Oktoberwoche 93. Auch haben sich die Bürger aus den betroffenen Orten massiv an die Presse gewandt. Von einer Beteiligung der katholischen Strukturen ( Dekanat Titz, Region Düren und Pfarrei Jackerath) ist mir nichts bekannt. Hier besteht Klärungsbedarf seitens der Region Düren, da die Bürger sehr eng mit den Widerstandsgruppen im Erkelenzer Raum zusammenarbeiten. Es wurde daher mehrfach der Wunsch an mich herangetragen, auch diese Gruppe zu begleiten.
3. Die allgemeine, derzeitige politische Situation um den geplanten Tagebau Garzweiler II
Es hat noch nie einen Tagebau in der Geschichte der Braunkohle gegeben, der so umstritten war, wie der geplante Tagebau Garzweiler II. Erstmalig in der Braunkohlegeschichte sind Kommunen mit auf der Seite der Bürger, die sich gegen den Tagebau zur Wehr setzen. Das zeigt alleine die Beteiligungsrate der sogen. "normalen Bürger" am Offenlegungsverfahren ( 18.500 Bürgereinwendungen) und der massive Widerstand bzw. Kritik der Träger öffentlichen Rechtes gegen dieses Jahrhundertprojekt.
Ein wesentlicher Grund wird die Tatsache sein, dass der betroffene Bereich weniger wirtschaftlich abhängig von der Braunkohle oder RWE ist.
Nachfolgend möchte ich die wesentlichen Diskussionspunkte in der öffentlichen (politischen) Situation einmal aus Sicht der Betroffenen darstellen:
Rheinbraun hat, für den Kreis Heinsberg wichtig, angekündigt, eine bedeutende Zahl von Kumpel aus der von Stilllegung bedrohten Hückelhovener Zeche "Sophia Jakoba" zu übernehmen. Dies muss man jedoch im Kontext der Firmenpolitik sehen: Rheinbraun hat gleichzeitig bis Ende 94 eine 'sozialverträgliche Belegschaftsreduzierung um 1.500 Personen' über Frühpensionierung angekündigt. In der "heißen Phase" der Offenlegung wurden jedoch nur die ersten 18 Arbeitsverträge mit den betroffenen Kumpeln öffentlich verkündet. Das geschah an dem Tag, an dem 3 Kommunalparlamente im betroffenen Gebiet ihre 'Anregungen und Bedenken' beschließen wollten.
Dies hat bei der Mehrzahl der Bevölkerung keinerlei Verwunderung hervorgerufen - außer der nun doch "lächerlich geringen" zahlenmäßigen Dimension der übernommen Arbeitsplätze. Niemand scheint der Firma Rheinbraun mehr zu trauen. Es wird allgemein gesehen, dass das Arbeitsplatzargument ein politisches ist. " Die da oben bei Rheinbraun wissen schon, wie sie uns platt machen und unsere Politiker unter Druck setzen können. Die pokern mit der Situation Sophia Jakoba, um ihr Garzweiler II durchzubekommen"
Sieht man den möglichen wirtschaftlichen Hintergrund: 55-jährige Kumpel von Rheinbraun werden- 'mit sanftem Druck - jüngeren Kollegen Platz zu machen', frühpensioniert und dies im Wesentlichen auf Kosten der Steuerzahler. Aus politischen und wirtschaftlichen Gründen bekommt Rheinbraun durch die Übernahme junge, ausgebildete Bergleute und wird ältere, Arbeitnehmer auf Kosten der Staatskasse und zu Lasten der betroffenen, älteren Arbeitnehmer los. Bis heute hat Rheinbraun keine konkreten Zahlen für die Übernahme von Kumpel aus Sophia Jakoba öffentlich genannt. Diese Situation belastet auch die kirchliche Arbeit im Dekanat Erkelenz nicht unerheblich, vereinigen sich doch hier in diesem territorialen Bereich die beiden Problem- (Konflikt-) Punkte: Einerseits die 1997 anstehende Zechenschließung Sophia Jakoba, andererseits der drohende Tagebau Garzweiler II.
Bei der Bewertung des Arbeitsplatzargumentes müsste folgende Tatsache mitberücksichtigt werden: Die genehmigten Tagebaue Hambach und Inden II laufen bis ca. 2030/40. Bei einer entsprechenden Arbeitsplatzpolitik der Firma "könnte ein Lehrling, der heute seine Lehre bei Rheinbraun beginnt, bei der gleichen Firma in Rente gehen".
Aufgrund dieser Situation glauben immer weniger Menschen im betroffenen Hückelhovener Bereich so recht an die Rheinbraunzusagen!
II. Die Sorge um das Grundwasser
Die nicht direkt durch die sozialen Folgen betroffenen Kommunen, machen Front gegen die Tagebauplanung: Die Sümpfungsmaßnahmen für den Tagebau Garzweiler II betreffen eine Fläche von 1000 km2. Rechnet man die schon genehmigten 3 Tagebaue im gesamten Sümpfungsverbund dazu, so ist eine Fläche von mehr als 3000 km2 (größer als das Saarland) betroffen.
Nach den Schäden, die bereits jetzt der Tagebau Garzweiler I im für Europa einzigartigen Feuchtgebiet Maas - Schwalm - Nette angerichtet hat, ist mit weiteren Schäden zu rechnen: Sowohl für die Feuchtgebiete als auch für den Grundwasserhaushalt muss mit Langzeitschäden und Zerstörungen gerechnet werden, deren Auswirkungen bis weit ins nächste Jahrtausend hinein wirken. Das MURL-Konzept, das die Grundwasserbeeinträchtigungen durch Garzweiler I abfangen soll, wird von vielen als gescheitert angesehen.
III. Die Energiepolitische Notwendigkeit
Die energiepolitische Notwendigkeit von Garzweiler II ist für die Menschen vor Ort höchst fragwürdig. Bei einem langfristigen Einsatz von real 85 Mill. Tonnen Braunkohle pro Jahr für die Verstromung und einer langfristig gesicherten Kohlejahresfördermenge von 75 - 80 Mill. Tonnen in den bereits genehmigten Tagebauen Hambach und Inden II, muss den Menschen vor Ort "zwingend nachgewiesen werden" (ZLONICKY), warum die fehlenden fünf Mill. Tonnen von der Allgemeinheit nicht eingespart oder durch andere Energiequellen ersetzt werden können. Darüber hinaus taucht im Reden von Verantwortlichen der Stromlobby immer häufiger die Zahl von 60 Mill. Tonnen Braunkohle auf, die langfristig zur Stromproduktion benötigt werden - demnach würden die im Rheinland genehmigten Tagebaue langfristig ausreichen, um den Braunkohlenanteil für die Verstromung für die gesamte Bundesrepublik zu übernehmen. Dazu kommt, dass bei der Darstellung im Braunkohlenplan der Stromverbrauch Gesamtdeutschlands zu Grunde gelegt wurde, der Braunkohleanteil jedoch nur deckungsmäßig aus dem rheinischen Revier berechnet wurde. Es fehlt die Einbeziehung der anderen Lagerstätten der Braunkohle in Deutschland.
Den betroffenen Menschen vor Ort scheint eine solche Darstellung bzw. Diskussion der befürwortenden Politiker höchst fragwürdig.
IV. Die "sozialverträgliche Machbarkeit"
Sie scheint vielen Betroffenen schon jetzt nicht mehr gegeben. Die lange Vorlaufzeit, die konkreten Handlungsweisen von Rheinbraun und das Auftreten des RP und seiner Vertreter während der Erarbeitung des Braunkohlenplanes werden von den Betroffenen schon jetzt als höchst sozialunverträglich gewertet. (Vgl. Kap.1.1.)
Die Planungen im Braunkohlenplanentwurf für die soziale Gestaltung des Tagebaues orientieren sich ausschließlich an den betrieblichen Erfordernissen des Bergbautreibenden. Die von Prof. Zlonicky aufgestellten 10 Thesen zur Erreichung einer sozalverträglicheren Vorgehensweise sind schon im Vorfeld, erst recht im Braunkohlenplan selbst, nicht berücksichtigt worden.
Die gesetzmäßigen Regelungen im 'Tagebaugeschäft' widersprechen sich zum Teil (zu Ungunsten der Betroffenen). Es muss ein von Grund auf neu gestaltetes "Gesetz für Braunkohlentagebaue" geschaffen werden. Auf diesem Hintergrund scheint es weder möglich, eine Umsiedlung 'sozialverträglich' noch 'sozial erträglich' zu gestalten. (Vgl. Beteiligung des Bistums am Offenlegungsverfahren v. 29.9.93)
V. Die demokratische Legitimation
In der Öffentlichkeit, die das Tagebauvorhaben Garzweiler II diskutiert, gibt es zwei unterschiedliche Herangehensweisen an die Braunkohlenplanung:
Wie machen wir den Braunkohlentagebau sozial vertretbar und ökologisch verantwortbar?
Ist Braunkohlentagebau heute noch umwelt- und sozialverträglich?
Die "Innensicht" wird vor allem in der "Rheinbraun"-Region und dort im Land vertreten, wo die regionalen Probleme des Niederrheins nicht so interessieren. Sie entspricht der traditionellen Aufgabe des Braunkohlenausschusses, der er ihr seit 1952 gefolgt ist: Die Braunkohlenplanung mit der Regional- und Landesplanung abzustimmen. Dieser Tradition folgt in seinem Aufbau auch der Braunkohlenplanentwurf für Garzweiler II.
Die "Außensicht" wird von großen Teilen der Bevölkerung im Norden des Braunkohlenreviers, sowie den in der Rheinischen Bürgeraktion vertretenen gesellschaftlichen Gruppierungen eingefordert. Die vom Tagebauvorhaben Garzweiler II betroffene Bevölkerung hat wenige traditionelle Bindungen an Rheinbraun und stellt damit ihr Opfer stärker in Frage. Sie haben sich mit der "Untersuchung der Sozialverträglichkeit von Umsiedlungen im Rheinischen Braunkohlenrevier" von Prof. Zlonicky auseinandergesetzt und fordern mehr Sozialverträglichkeit in diesem Sinne ein. Die Kirchen fordern einen verantwortungsbewussten Umgang mit der Schöpfung und machen sich zum Anwalt der Menschen und der Natur.
Die Naturschutzverbände sehen mehr energiepolitische Alternativen als die Landesregierung und Rheinbraun und kritisieren einen Lösungsansatz, der vollständig auf technischen Lösungen aufbaut. Um alle Risiken dieses Großprojektes abschätzen zu können, fordern sie eine wirkliche Umwelt- und Sozialverträglichkeitsprüfung des Tagebauprojektes Garzweiler II.
Seit den ersten kritischen Diskussionen um den Tagebau Hambach I werden die negativen ökologischen und sozialen Auswirkungen eines Braunkohlentagebaus immer stärker als gewichtige Gründe angesehen, gegen die die energiepolitische und regionalwirtschaftliche Notwendigkeit eines Tagebauvorhabens abgewogen werden muss.
Die Fülle der Untersuchungen zeigt, wie ausführlich nach Antworten gesucht worden ist. Doch die gestellten Fragen weisen eigentlich nur in eine einzige Richtung - die Machbarkeit des Tagebaus. Die Position der Landesregierung und des Landtags ist nicht eindeutig geklärt:
Im Landesplanungsgesetz von 1989 ist das Braunkohlenplangebiet erweitert worden um die Gebiete, die von der Grundwasserabsenkung im obersten Grundwasserleiter beeinflusst werden. Außerdem wurden die Naturschutzverbände beratend im Braunkohlenausschuss hinzugezogen.« In diesem Zusammenhang ist die Frage zu stellen, warum die beiden Kirchen nicht einbezogen wurden.
Damit würde neben den wasserwirtschaftlichen auch verstärkt den sozialen Interessen des Nordraumes, so wie den ökologischen Fragen ein viel stärkeres politisches Gewicht gegeben.
»In den "Leitentscheidungen zur Braunkohlenpolitik" hat die Landesregierung die endgültige Entscheidung über die Umwelt- und Sozialverträglichkeit offen gelassen und nicht abschließend beantwortet.
In der 2. Leitentscheidungen von 1991 heißt es (S. 9):
"Die Leitentscheidungen und die ihnen zugrundeliegenden Ergebnisse der Untersuchungsprogramme bieten dem Braunkohlenausschuss eine weitere Grundlage, den Antrag des Bergbautreibenden auf Einleitung eines Braunkohlenplanverfahrens sowie die Unterlagen zum ökologischen Anforderungsprofil endgültig zu bewerten. Auch ist der Braunkohlenausschuss zu einem früheren Zeitpunkt darüber in Kenntnis gesetzt, dass - ungeachtet der Planaussagen im Detail - die Orientierung des aufzustellenden Braunkohlenplanes an den Kernaussagen der Leitentscheidungen nach gegenwärtigem Kenntnisstand eine Plangenehmigung erwarten lässt."
Damit überlässt die Landesregierung dem Braunkohlenausschuss die endgültige Bewertung, signalisiert aber gleichzeitig, welches Ergebnis sie sich wünscht. Doch dieses Signal entläßt den Braunkohlenausschuss nicht aus der Verantwortung, die Umweltverträglichkeit grundsätzlich zu prüfen und die Sozialverträglichkeit von Umsiedlungen mit Beginn der Vorentwurfsplanung zumindest sicherzustellen, falls er zu einer grundsätzlichen Prüfung nicht bereit ist. Beides wurde vom Umweltminister bei unterschiedlichen Gelegenheiten immer wieder betont und den Betroffenen und den Naturschutzverbänden versichert und fand auch seinen Niederschlag im | §, 32 des LPlG.
Wie ist nun die Planung für Garzweiler II bis jetzt verlaufen?
Es wird ein Planentwurf erstellt, der als Grundlage für die Grundsatzentscheidung dienen soll. Die UVU – so weit vorhanden - wird eingearbeitet. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) findet kaum statt. Die juristische Begründung, die UVP sei vom Gesetz her noch nicht notwendig, wäre unbedeutend, wenn man es mit dem politischen Willen zu einer wirklichen Prüfung ernst meinen würde.
Mit den Lösungen, die allein der Bergbautreibende anbietet, wird die Machbarkeit schrittweise begründet.
Durch dieses Verfahren gibt es keine Möglichkeit, die Wechselwirkungen der Auswirkungen aufeinander und in ihrer Gesamtheit zu betrachten. Genauso ist es unmöglich, die Wechselwirkungen, die die Lösungsmöglichkeiten erzeugen, in die Gesamtschau mit einzubeziehen. Garzweiler II wird zwar als Prozess beschrieben, aber die Gesamtheit der Risiken dieses Prozesses wird ignoriert. Stattdessen verengt sich mit jedem Schritt der Entscheidungspfad, bis es dann am Ende geschafft es: Der Tagebau ist "ökologisch verantwortbar" gemacht worden.«
Ähnlich war das Verfahren bei der Beurteilung der Sozialverträglichkeit: Das für viel Geld aus Steuermitteln erstellte 'Gutachten Zlonicky' war in seinen Ergebnissen nicht opportun und wurde 'totgeschwiegen', nur diejenigen Punkte wurden im Braunkohlenplan übernommen, die dazu angetan waren, ohne viel Verpflichtungen die "sozialverträgliche Machbarkeit zu belegen". »Die Landesregierung hat nach den Leitentscheidungen das Verfahren in die Hände des Braunkohlenausschusses gelegt. Dieser hat verbal eine Position der "Außensicht" übernommen, indem er vor der Planaufstellung "grundsätzlich über die soziale Vertretbarkeit und ökologische Verantwortbarkeit" entscheiden will. Damit hat er sich allerdings nicht den Standard der LPlG von 1989 zu eigen gemacht, das ausdrücklich von "sozialer und ökologischer Verträglichkeit" spricht, er ist dahinter zurückgeblieben. Die weiteren Diskussionen und Beschlüsse entsprachen dann vorwiegend dem "altbewährten" Konzept der oben beschriebenen "Innensicht":
Wie machen wir den Tagebau Garzweiler II sozial vertretbar und ökologisch verantwortbar? Der Ausgang der Überprüfung wurde nach den 2 Leitentscheidungen als gegeben angenommen.«
Ein weiterer Vorwurf, der der Landesregierung gemacht wird, ist der, dass sie verhindert, dass das Landesparlament die politische Verantwortung für ein solches Jahrhundertprojekt nicht übernehmen kann. (Zweimal sollte die Entscheidung über den Tagebau im LPlG durch das Parlament festgeschrieben werden - beide Male hat die SPD-Landtagsfraktion dies mit ihrer Mehrheit abgelehnt)
Innerhalb aller politischen Parteien hat man keine eindeutige, geschlossene Parteimeinung bezüglich Garzweiler II. "Es geht ein Riss durch alle Parteien, was die Machbarkeit von Garzweiler II betrifft". Eine Ausnahme stellen hier Die Grünen dar, die eindeutig als Gesamtpartei gegen den Tagebau Stellung beziehen. Bei vielen Menschen vor Ort steigert sich die Politikverdrossenheit; man sieht sehr deutlich, dass das Geschick der betroffenen Menschen weniger durch ihre gewählten politischen Vertreter als durch die Stromlobby gestaltet wird. Viele fühlen sich durch das politische Vertretungsgremium BKA absolut nicht vertreten, im Gegenteil: Sie sprechen dem BKA unter diesen Bedingungen jegliche demokratische Legitimation ab.
Hier möchte ich einmal versuchen, Gerüchte, Hoffnungen, Wunschträume - kurz das klimatische Umfeld bezüglich einer möglichen Entscheidung über Garzweiler II in Einzelpositionen verdichtet zusammenstellen:
Der Tagebau ist energiepolitisch notwendig und er muss unter allen Umständen durchgeboxt werden! Die Probleme sind 'voll im Griff', die bei solchen Projekten immer anfallenden Restrisiken wird man zu gegebener Zeit in den Griff bekommen. Problematisch ist der große Widerstand bei der Bevölkerung - das Akzeptanzproblem muss noch gelöst werden. In diese Position ist die mehrfach öffentlich geäußerte Stellungnahme von Rheinbraun einzuordnen: "Wir sind an der Schmerzgrenze angelangt: Mehr Auflagen oder eine nochmalige Verkleinerung machen eine erneute betriebswirtschaftliche Berechnung erforderlich. - Wir brauchen den ganzen Tagebau!"
Der Tagebau ist energiepolitisch unnötig, ja sogar schädlich, bezieht man die CO2 - Problematik und die Aussagen von Bundes- und Landesregierung dazu mit ein. Das Arbeitsplatzargument ist auch nur ein Scheinargument - zwei bereits genehmigte Tagebaue können bei vernünftiger Arbeitsplatzpolitik in der Firma alle heute bestehenden Arbeitsplätze absichern bzw. gegen Ende dieser Tagebaue sozialverträglich reduzieren. Energiepolitisch muss dringendst ein neues Energiekonzept für die gesamte BRD her, die Alternativen mittel- und langfristig mit einbezieht und fördert. Als Irrweg Deutschlands in der Energieversorgung hat sich die Zentralisierung der Stromerzeugung erwiesen. Der politische Wille muss aufgebracht werden, die Energiewirtschaft auf eine dezentrale Energieproduktion unter wirklich gleichberechtigter Einbeziehung privater Produzenten umzustellen.
Der Tagebau Garzweiler II scheint ohne 'politischen Schaden', selbst in der schon einmal verkleinerten Form nicht durchsetzbar zu sein. Die Gemeinde Jüchen hat hierbei bisher den geringsten Widerstand entgegengesetzt, während die Stadt Erkelenz bisher bei einem harten NEIN geblieben ist. "Kompromisse" zeichnen sich hier ab, die im Prinzip von den Politikern, die eher der "Realoseite" zuzurechnen sind, 'angedacht' werden.
In jedem Fall muss wegen der geringen Akzeptanz eine nochmalige Verkleinerung des Tagebaues erfolgen. Über die Größenordnung gibt es zwei Versionen:
A) Es wird nur das Jüchener Gebiet abgebaggert.
Da der kommunale und private Widerstand in diesem Gebiet nicht vorhanden, bzw. gering und "in den Griff zu bekommen ist", würde sich diese Lösung als "Minimallösung" mit den geringsten Problemen anbieten. Entsprechende informelle Äußerungen sowohl von Politikern aus dem Gebiet, als auch auf Landesebene, gibt es. Mit dieser "Minimallösung" wäre auch ein Hauptproblem von Rheinbraun gelöst: Bei der Genehmigung von Garzweiler I wurde im Braunkohlenplan die Verfüllung des Restloches zur Auflage gemacht. Mit den Massen aus dieser kleinsten Version könnte diese Auflage erfüllt werden.
B) Der Tagebau geht nur bis zur A 61.
Diese Version stellt für viele der Politiker, die man den "Realos" zuordnen könnte, das politisch maximal Erreichbare dar - vorausgesetzt, man würde sich mit Erkelenz bezüglich der Abbaggerung von Pesch und Borschemich einig.
VII. Was nicht aus den Augen gelassen werden darf.
Gleich welche Lösung letztendlich genehmigt oder ob der gesamte Tagebau abgelehnt wird: Die sozialen Schäden, die allein der Planungsprozess in den Orten Holz, Otzenrath, Spenrath, Pesch, Lützerath und Immerath verursacht hat, sind so gravierend, dass dringend und möglichst schnell Maßnahmen zur "Reparatur" eingeleitet werden müssen. (Vgl. Forderung ZLONICKY)
Hier ist eine Spaltung bezüglich der offiziellen Einstellung der Gebietskörperschaften gegenüber dem Tagebau Garzweiler II festzustellen:
In der "Rheinbraunregion" (etwa ab der Linie Kreis Neuss - Kreis Düren südostwärts) besteht auch bei den Kommunen eine hohe wirtschaftliche Abhängigkeit vom Tagebau bzw. RWE. Hier wird zwar zu Einzelaspekten fachliche Kritik an den Tagebauplänen geäußert, den Tagebau selbst lehnt jedoch keine der Kommunen grundsätzlich ab. Mit den Risiken hat man leben gelernt.
Anders ist es im direkt und indirekt betroffenen Gebiet - also westlich der o.a. Linie:
Hier lehnen fast alle Gebietskörperschaften das Tagebauprojekt dem Grundsatz nach ab.
Kreis Viersen und die 5 betroffenen Gemeinden:
Der Kreis hat sich noch nicht einmal auf Teilgenehmigungen eingelassen. Er bleibt bei seiner bisherigen Position: "Im Grunde ist der gesamte Kreis gegen Garzweiler II".
Begründung: "Bislang hat niemand nachweisen können, dass das Grundwasser in der Region bei einer Genehmigung weiter nutzbar bleibt.
Die Erhaltung der Feuchtgebiete im Naturpark Maas-Schwalm-Nette gilt als nicht gesichert.
Kreis und Stadt Viersen erwarten eine grundsätzliche Garantieerklärung für die Feuchtgebiete durch die Landesregierung und Rheinbraun.
Die Gemeinden Brüggen, Niederkrüchten, Schwalmtal und Viersen sprechen sich in ihren Stellungnahmen höchstens für eine Teilgenehmigung aus.
Sie spricht sich absolut gegen einen Tagebau aus, "weil die technische Beherrschbarkeit gerade in Bezug auf die Grundwasserfrage nicht gegeben ist".
Sie nimmt in ihrer Beteiligung am Offenlegungsverfahren sehr kritisch Stellung zu allen Detailproblemen und sieht sich bestätigt in ihrer bisherigen ablehnenden Haltung zu Garzweiler II.
Sie hatte bisher kritisch, aber in jedem Fall befürwortend den Tagebau gesehen. Sie kommt jedoch jetzt in ihrer Stellungnahme zu einer eher ablehnenden Haltung, und kündigt sogar rechtliche Schritte an.
Der vom Tagebau betroffene Bereich gehört schon seit Jahrhunderten zu einer 'Hochburg' der Katholiken (zwischen 75% und 85 % katholischer Bevölkerungsanteil)
Vor Ort haben auf katholischer Seite schon seit etwa 10 Jahren die mittlere und untere (katholische) Kirchenebene (Region und Pfarren) eindeutig auf Seiten des Widerstandes gegen den Tagebau gestanden. (s. Kap. 3.2.5.)
Es wurde seitens der katholischen Bevölkerung bisher immer eine eindeutige Stellungnahme "von Aachen" erwartet. Jedoch - so die Meinung der Betroffenen - ' hielt man sich dort bedeckt.' Die sehr eindeutige Stellungnahme des Bistums im Offenlegungsverfahren wurde mehr als positiv aufgenommen.
Hier einige Originalaussagen von einer Mehrzahl der Bürger des Gebietes als subjektives 'Stimmungsbild':
Eher positiv:
"KIRCHE" hat in diesem Bereich einen deutlich größeren Vertrauensbonus als alle anderen Organisationen.
"Die KIRCHE hat uns eine hauptamtliche Kraft zur Verfügung gestellt, "Kirche" ist auf unserer Seite!"
"Der KIRCHE" wird eine ' maßgebliche Rolle' im politischen Spiel um den energiepolitischen Einfluss eingeräumt, weniger als politischer Faktor, denn als mahnende Stimme, den Umgang mit Umwelt und Mensch betreffend.
Wenn "die KIRCHE" auf unserer Seite ist, haben wir auch in der Öffentlichkeit mehr Gehör. (Presse, Politiker, usw.)
"Die KIRCHE" (von Aachen) hat sich mit ihrer Stellungnahme (Anregungen und Bedenken) im Offenlegungsverfahren eindeutig auf die Seite von uns Betroffenen gestellt - "die Kirche" ist auf unserer Seite!
Eher negativ:
Man macht sich Gedanken über den Fortbestand der Pfarrgemeinde. - Hierbei ist eine deutliche Angst bzw. Unsicherheit gegenüber der bischöflichen Verwaltung zu merken: "Werden 'Die da oben' unsere Pfarrei wegen des Priestermangels im Zuge einer Umsiedlung doch "wegrationalisieren"?
"Der KIRCHE" wird andererseits von einigen Kritikern unterstellt, dass sie mit der Landverweigerungsaktion " nur die Preise für ihre Liegenschaften hochtreiben will"
"KIRCHE" - Das Bistum lässt den betroffenen Pfarren heute ihre "Spielwiese" - letztendlich im Falle einer Genehmigung des Tagebaues zählt 'für DIE doch nur das Geld!'
3.2.1. "Kirchliche Strukturen" im Gebiet
Das betroffene Gebiet gehört im katholischen Bereich zu drei Regionen (Düren, Mönchengladbach und Heinsberg) und im evangelischen Bereich zu zwei verschiedenen Kirchenkreisen ( Gladbach und Jülich). Die nachfolgende Karte zeigt dies, sowie die Zugehörigkeit der Ortschaften zu den Pfarren auf.

1991 wurde der ökumenische Arbeitskreis Garzweiler II gegründet. Ihm gehören Vertreter der Kirchengemeinden, Regionen und Kirchenkreise des geplanten Abbaugebietes an.
Der Arbeitskreis sieht es als seine Aufgabe, die Tagebauplanung kritisch zu beobachten und kirchliche Schritte für die betroffenen Menschen zu initiieren bzw. abzustimmen.
Im Einzelnen hat der ökumenische Arbeitskreis bisher folgende Abstimmungen bzw. Aktivitäten veranlasst:
Auf katholischer und evangelischer Seite innerhalb der jeweiligen Struktur die Bemühungen um die Einstellung einer Fachkraft.
Erarbeitung einer Arbeitshilfe zum Thema Sozialverträglichkeit, sowie deren 'ökumenischer Finanzierung' innerhalb der jeweiligen Strukturen.
Bereitstellung eines Computerprogramms und Computeranlagen während des Offenlegungsverfahrens des geplanten Tagebaues.
Allgemeine Absprachen zum konkreten politischen 'Tagesgeschäft'.
Über diese konkrete Arbeit des ökumenischen Arbeitskreises hinaus hat es schon immer eine sehr intensive Kooperation gerade auf der Ebene der Kirchenkreise und Regionen z.T. auch auf Pfarrebene, sowohl bei gemeinsamen Veranstaltungen, als auch in politischen Äußerungen gegeben. (Vgl. 3.4.)
3.4. Engagement 'kirchlicher' Gruppierungen gegen den Tagebau Garzweiler II
»Chronologie und Aussagen
Diese Zusammenstellung hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit und gleichgewichtige Berücksichtigung kath. und ev. Aktivitäten.
Juni 1986:
Offener Brief der Kath. Landjugendbewegung im Bistum Aachen an den Ministerpräsidenten
26. - 30.01.1987:
Braunkohleninformationswoche in Jülich (Ev. Kirchengemeinde Jülich - u.a. zusammen mit dem Kath. Bildungswerk der Region Düren)
30.06.1987:
Resolution des Katholikenrates der Region Heinsberg (HS) zum Braunkohlenabbau
Auszüge:
"Der Katholikenrat befürchtet, dass bei dieser Entscheidung der Landesregierung nur die wirtschaftlichen und ökologischen Belange im Vordergrund stehen und die durch den Abbau der Braunkohlenlagerstätte berührten elementaren Interessen, Sorgen, Nöte und Ängste der dort lebenden Menschen unberücksichtigt bleiben ....
Der Katholikenrat fordert die Landesregierung auf, dem geplanten Vorhaben die Zusage zu verweigern."
Begründung:
Aus unserer christlichen Überzeugung bedeutet der Schöpfungsauftrag Gottes, verantwortlich mit den Gütern dieser Erde umzugehen. Deshalb muss bei allen Eingriffen in die Natur der Wert und die Würde des Menschen im Vordergrund stehen.
Wenn viele tausend Menschen aus ca. 20 historisch gewachsenen Dörfern, Weilern und Höfen "vertrieben" werden, ergeben sich zwangsläufig schwer wiegende Folgen im Lebensgefüge der Betroffenen, vor allem der älteren Mitbürger.
Durch die vorzeitige Abwanderung junger Menschen haben diese Dörfer keine Zukunft mehr.
Das seit Jahrhunderten bestehende soziale Gefüge von Nachbarschaften, Familiengemeinschaften und Vereinen wird unwiederbringlich zerstört. Die Menschen werden entwurzelt und verlieren ihre Identität.
Die bestehende dörfliche Infrastruktur: Das gedeihliche Nebeneinander von Wohnen, Arbeiten (Handel, Landwirtschaft und Gewerbe) und Freizeitgestaltung wird aufgelöst.
Entwurzelte Menschen sind heimatlos.
16.09.1987:
Gespräch des Katholischen Büros NRW und Regionaldekan A. Honigs mit Minister Matthiesen
24.09.1987:
Resolution des Katholikenrates der Region Mönchengladbach (MG)
21.04.1988:
Gespräch des Katholikenrates der Region HS und des Dekanatsrates Erkelenz über die Sozialverträglichkeit des Braunkohlenabbaues mit dem von der Landesregierung beauftragten Gutachter Herrn Prof. Zlonicky, Dortmund
26.09.1988:
Stellungnahme des Diözesanrates der Katholiken im Bistum Aachen zum geplanten Braunkohlentagebau Garzweiler II (mit anschließender Dokumentation der Reaktionen)
Auszüge:
Bewahrung der Schöpfung "Aus christlicher Überzeugung für den Wert der Schöpfung und für die Verantwortung des Menschen, die von Gott geliehene Schöpfung zu bewahren, müssen wir eine Veränderung der Natur einer ganzen Region und in diesem Ausmaß ablehnen... Der Ökologie muss eindeutig der Vorrang vor der Ökonomie eingeräumt werden."
Ökologische Gesichtspunkte: Wir wenden uns "mit aller Entschiedenheit gegen den Tagebau Garzweiler II. Ein solch massiver Eingriff in die Natur ist unserer Meinung nach nicht zu verantworten... Aus ökologischer Sicht werden sich die durch den jetzigen Braunkohletagebau bereits entstandenen Umweltschäden im Falle der Inbetriebnahme des Tagebaus Garzweiler II ins Unermessliche erhöhen."
Soziale Gesichtspunkte: "Nimmt man den Menschen ihre Heimat ..., so nimmt man ihnen gleichzeitig einen Teil ihrer Identität und schädigt sie an ihren Wurzeln, ohne ihnen eine wirkliche Hoffnung und eine echte Chance auf immaterielle Wiedergutmachung geben zu können..... Zusätzlich zum drohenden Verlust der Heimat haben die Menschen in dem von Rheinbraun geplanten Abbaugebiet bereits jetzt erdrückende soziale und psychische Lasten zu tragen. Schon über Jahre hinweg leben sie zwischen Hoffen und Bangen".
5.11.1988:
Resolution der Synode des Ev. Kirchenkreises Jülich zum Braunkohlengroßtagebau an die Landesregierung. Die Synode bestreitet die Umwelt- und Sozialverträglichkeit der gegenwärtigen Braunkohlenpolitik und fordert, Garzweiler II nicht zu genehmigen.
Januar 1989:
Resolution des Pfarrgemeinderates von Erkelenz- Kückhoven an die Bundes- und Landesregierung ("Umdenken statt abbaggern!")
23.02.1989:
Gemeinsames Gespräch des Regionalen Katholikenrates HS mit Vertretern der Firma Rheinbraun.
26.08.1989:
Großveranstaltung in der Erkelenzer Erka-Halle "Stoppt Braunkohlentagebaue" unter ev. und kath. Mitträgerschaft (Ev. Kirchenkreis Jülich, Diözesanrat der Katholiken, Katholikenrat HS u.v.m).
28.10.1989:
Die von Braunkohlentagebaue betroffenen Ev. Kirchenkreise Aachen, Gladbach, Jülich, Köln-Nord und Köln-West gründen in Erkelenz die Regionalsynode "Energie" ... "weil Überlebensfragen auf der kirchlichen Tagesordnung stehen und das christliche Bekenntnis dringend zur aktuellen Verantwortung ruft". Die Synode will sich mit den Braunkohlentagebauen kritisch befassen, den Betroffenen beistehen und eine Energiewende vorbereiten. Anschluss-Tagebaue können nicht befürwortet werden.
April 1990:
Kommission für den Konziliaren Prozess im Bistum Aachen verfasst eine Erklärung "Ein entschiedenes Nein zum weiteren Ausbau der Braunkohlentagebaue zwischen Köln-Aachen-Venlo".
12.05.1990:
Die Regionalsynode "Energie" sagt in Wickrathberg ein eindeutiges NEIN zur Genehmigung von Garzweiler II. Sie fordert stattdessen die Entwicklung und Durchführung eines konsequenten Programms zur rationellen Energieumwandlung und -einsparung und die Einbeziehung regenerativer Methoden der Energieverwendung mit dem langfristigen Ziel einer völligen Umstellung.
Ihre Gründe:
"Alle Arten der Energieerzeugung haben ihre spezifischen Probleme, insbesondere die Nutzung der fossilen Energieträger wegen der dramatisch einzuschätzenden Auswirkungen auf das Weltklima. Der C02-Ausstoß der Braunkohlenverfeuerung ist bei gleicher Energieausbeutung der höchste von allen fossilen Energieträgern. Von daher muss die Förderung der Braunkohle eingeschränkt werden.
Über Generationen gewachsene Lebensstrukturen, Dörfer und soziale Verbindungen gehen unwiderruflich mit der Landschaft verloren.
Durch Garzweiler II würde eines der bedeutendsten Grundwasserreservoirs der BRD, welches bereits jetzt durch die derzeitigen Tagebaue gefährdet ist, endgültig verloren gehen.
Der international bedeutende Naturpark Maas-Schwalm-Nette würde in seiner Grundsubstanz zerstört werden."
Dieser Beschluss wird von den unmittelbar betroffenen ev. Synoden Gladbach und Jülich später übernommen.
24.09.1990:
Zweite Resolution des Katholikenrates der Region HS zum Braunkohleabbau.
30.11.1990:
Schreiben des Diözesanrates der Katholiken im Bistum Aachen an die Mitglieder des Unterausschusses Nord des Braunkohlenausschusses
23.01.1991:
Schreiben von Superintendent Keuper (Gladbach) an Minister Matthiesen
23.02.1991:
"Kreuzweg der Arbeit": "Ich gehe zu Fuß den Weg über die Erde, die vernichtet werden soll".
(KAB/CAJ-Bezirksverbände) Stern-"Kreuz-Weg" von Wanlo, Borschemich, Keyenberg und Holzweiler zur Immerather St. Lambertus Kirche; dort anschließender ökumenischer Gottesdienst; Grußworte vom Aachener Bischof Klaus Hemmerle und vom Präses der Rheinischen Landeskirche, Beier.
9.3. - 17.3.1991:
Braunkohle, Energie, Heimat.
Eine Gemeinschaftsaktion gegen den geplanten Tagebau Garzweiler II während der Frühjahrsausstellung 1991
"Dieser Tagebau ist nach unserer Ansicht sozial nicht vertretbar, ökologisch nicht verantwortbar und ökonomisch nicht notwendig." Das Umweltschutzamt der Stadt Mönchengladbach weist gemeinsam mit dem Evangelischen Kirchenkreis Gladbach, den Familienbildungsstätten Mönchengladbach und Rheydt, dem katholischen Bildungswerk der Region Mönchengladbach und der Volkshochschule Mönchengladbach die Besucher der Frühjahrsausstellung auf die durch
"Garzweiler II" drohenden Schäden und Verluste hin.
2.03.1991:
Mönchengladbacher Erklärung der 2. Ökumenischen Schalom-Versammlung
(4. Abschnitt: Ein entschiedenes Nein zum weiteren Ausbau der Braunkohlentagebaue)
4.09.1991:
Protestschreiben der Katholikenräte der Regionen Kempen-Viersen und Mönchengladbach gegen den geplanten Braunkohlentagebau Garzweiler II.
12./13.09.1991:
Aktion gegen den geplanten Braunkohlentagebau Garzweiler II:
Ökumenischer Gottesdienst an der Immerather Mühle; anschließend Erklärungen verschiedener kommunaler und kirchlicher Vertreter
Mahnwache vor dem Landtag in Düsseldorf. Veranstalter: Kath. und ev. Gemeinden, die Vereinten Bürgerinitiativen und der KAB-Bezirksverband HS
16.09.1991:
Gespräch von Präses Beier, Superintendent Keuper (Gladbach), Superintendent Meylahn (Jülich) und anderen kirchlichen Mitarbeitern mit den Ministern Matthiesen und Einert in Düsseldorf.
8.11.1991:
Erste Zusammenkunft des Ökumenischen Arbeitskreises Garzweiler II.
23.11.1991:
Die Regionalsynode "Energie" hält in Brüggen "den Neuaufschluss des Tagebaus Garzweiler II auch in seiner 2/3 Größe ..." für nicht genehmigungsmöglich, entgegen der Leitentscheidung der Landesregierung."
Die Synode sieht einen Widerspruch zwischen der Leitentscheidung und der Forderung der Enquete- Kommission nach Reduzierung des CO2-Aussto×es. Auch dieser Beschluss wird in ähnlicher Weise von den Synoden Gladbach und Jülich gefasst.
5.07.1992:
Besorgt über das eingeschlagene Tempo bei der Planung von Garzweiler II (Januar 1992 - September 1994) spricht sich die Regionalsynode "Energie" für größere Zeitabläufe des Verfahrens aus. Das Präsidium der Synode teilt dies Minister Matthiesen mit und bittet ihn eindringlich, ..."die jetzt von Rheinbraun eingeleiteten Maßnahmen zum Schutze des Schwalm-Nette-Gebietes in seinen Auswirkungen abzuwarten, bevor weitere Entscheidungen getroffen werden".
28.09.1992:
Empfehlung des Dekanatsrates Erkelenz an alle Kirchengemeinden, kein Kirchenland an die Firma Rheinbraun zu verkaufen.
Oktober 1992:
Das Bistum Aachen stellt einen Gemeinwesenarbeiter zur Verfügung, der im Dekanat Erkelenz beratend und koordinierend den vom Braunkohlentagebau bedrohten Menschen und Gemeinwesen zur Seite stehen soll.
25.11.1992:
Probst Erlemann (Mönchengladbach) sowie Superintendent Keuper (Gladbach) bitten den Arbeitskreis "Garzweiler II", (ein Arbeitsgremium des Braunkohlenausschusses) dem Abbauvorhaben nicht zuzustimmen.
3.12.1992:
Regionaldekan Meis (Heinsberg) und Superintendent Meylahn (Jülich) sprechen sich gegenüber den Mitgliedern des Braunkohlenausschusses und des Unterausschusses Nord gegen den Tagebau Garzweiler II aus. Sie drücken ihre Besorgnis darüber aus, ... "dass sich schon jetzt bei den Menschen vor Ort - ....Gefühle der Ohnmacht, Wut, Verzweiflung und Resignation, infolge staatlichen Handelns, ausbreiten..." Sie bitten die Entscheidungsträger einen Weg einzuschlagen, der einen anderen, intensiveren und von Partizipation geprägten Dialog mit den betroffenen Menschen gewährleistet..."
März 1993:
Fünf Pfarrgemeinden aus dem betroffenen Gebiet beschließen, kein Kirchenland an die Firma Rheinbraun abzugeben (Borschemich, Keyenberg, Kuckum, Immerath und Venrath).
18. März 1993:
Gemeinsames Schreiben der Superintendenten der Ev. Kirchenkreise Jülich und Gladbach und der Regionaldekane der Regionen Heinsberg und Mönchengladbach an die Mitglieder des Braunkohlenausschusses. Sie bitten, den vorliegenden Vorentwurf zum Braunkohlenplan Garzweiler II nicht anzunehmen.
Die Gründe:
"Der vorliegende Planvorentwurf gibt keine klare Antwort darauf, wie einer Gefährdung des Naturparks Maas-Schwalm-Nette und der hiesigen Grundwasservorräte wirksam begegnet werden kann und wie eine ökologische Wirksamkeit von Wasserausgleichsmaßnahmen zu gewährleisten ist. Es fehlen Bemessungskriterien.
Unklar bleibt, wie die Restsee- und Kippenproblematik (Versauerung / Stoffaustrag) zufriedenstellend zu lösen ist. So erscheint z.B. der Vorschlag, das nach Norden abfließende versauerte Seewasser mit Pumpen abzufangen, wenig überzeugend.
Wir können in dem Entwurf auch keine angemessenen Strategien zur Annäherung an die von Prof. Zlonicky aufgestellten Kriterien zur Erreichung einer sozialverträglichen Umsiedlung erkennen."
1.05.1993:
Beim Diakonischen Werk Grevenbroich wird - in Kooperation mit der evangelischen Kirchengemeinde Jüchen und dem Kirchenkreis Gladbach eine halbe Sozialarbeiterstelle für die Begleitung der von Umsiedlung bedrohten Bürger in Otzenrath/Spenrath und Holz eingerichtet.«
August 93:
Der Diözesane Katholikenrat im Bistum Aachen wiederholt in seiner Stellungnahme zum Offenlegungsverfahren seine klare Ablehnung des Tagebaues Garzweiler II,
September 93:
Das Bistum Aachen schließt seine Anregungen und Bedenken mit der Zusammenfassung:
Zusammenfassend stellen wir fest:
Die Lösbarkeit der Probleme, die durch die Eingriffe in die Natur verursacht werden, kann heute nicht schlüssig nachgewiesen werden; sie stellen eine permanente Belastung für viele Generationen dar.
Die soziologischen und kulturellen Bindungen der Betroffenen werden zerstört, ohne dass ein Ausgleich möglich ist.
Umsiedlungsmaßnahmen sind nicht sozialverträglich. Sie können nach den heutigen gesetzlichen Grundlagen nicht einmal sozialerträglich gestaltet werden.
Bei der Abwägung der einleitend genannten Grundsatzziele des Braunkohlenplanes kommen wir zu dem Schluss, dass der Braunkohlentagebau für die betroffene Bevölkerung - und zwar sowohl für die heutige, als auch für folgende Generationen - unzumutbare Belastungen verursacht. Wir sind uns dabei bewusst, dass ein Verzicht auf die Aufschließung von Garzweiler II sich auf den Arbeitsmarkt in dieser Region zunächst nachteilig auswirken könnte. Wir halten dies aber für das kleinere Übel.
Wir sprechen uns daher gegen die Genehmigung des Braunkohlenplanes Garzweiler II aus.
4. Nichtkirchliche Gruppierungen im Bereich Garzweiler II
Im vom möglichen Tagebau betroffenen Gebiet gibt es viele nichtkirchliche Vereine und Gruppierungen (insgesamt über 38). Die meisten wurden bei den jeweiligen Ortschaften aufgelistet. Es bleiben hier noch drei Gruppierungen zu erwähnen, die z.T. überörtlich arbeiten und wesentlich den Widerstand gegen das Tagebauprojekt tragen:
4.1. Die Rheinische Bürgeraktion
Die Rheinische Bürgeraktion "Verheizte Heimat - Stoppt Braunkohlentagebaue" ist eine Arbeitsgemeinschaft von Organisationen und Einzelbürgern, die gegen Tagebaue kämpfen. Ins Leben gerufen wurde sie l988 auf der Grundlage der Viersener Erklärung von Herbert Schäfer, einem in dieser Frage sehr engagierten, parteilosen Kreistagsabgeordneten aus dem Kreistag Viersen. Er ist Ausschussmitglied im Braunkohlenunterausschuss Nord.
Mitglieder sind:
- Naturschutzbund Deutschlands , die (Landes- Orts und Kreisverbände).
- Vereinte Initiativen Bürger gegen Garzweiler II,
- Dorfinteressengemeinschaft Wanlo,
- Verein zur Erhaltung des Nierstales,
- PAX-Christi im Bistum Aachen,
- Kirchenkreis Jülich und Gladbach,
- BUND die Landes-, Orts- und Kreisverbände,
- NABU auf Kreis- und Landesebene NRW
- Katholikenräte Bistum (AC und die Regionen HS, VIE, MG),
- verschiedene Pfarren aus dem betroffenen Gebiet,
- Einzelpersonen.
Die Zielsetzung dieser Arbeitsgemeinschaft ist die Absprache von Aktionen und die gegenseitige Information.
Die Mitglieder treffen sich monatlich in Holzweiler.
Aktionen der Rheinischen Bürgeraktion und ihrer Mitglieder:
Erste Großveranstaltung in Erkelenz am 26. August l989
Ausstellung "sterbende Dörfer" in Venrath am 10 August 1990
Energieforum in der Kaiser-Friedrich-Halle in Mönchengladbach am 21. September 1991.
Aufbau und Intensivierung von Kontakten zu Tagebaugegnern in Ostdeutschland ab 1991.
Stoppt Garzweiler II - Unterschriftensammlung im Naturpark Maas Schwalm Nette.
Unterstützung und Begleitung des Friedenslaufes durch die bedrohten Dörfer 1 am9. Juni 1992.
Start der Postkartenaktion "Stoppt Braunkohlentagebaue" auf der Messe "Aktiv Leben" in Düsseldorf vom 15. bis 23. August 1992.
Übergabe der gesammelten Protestkarten an den Vizepräsidenten des Landtages, Herrn Dr. Klose, am 24. September 1992.
Stand auf der Messe "Aktiv Leben" in Düsseldorf vom 14. bis 22. August 1993, um Anregungen und Bedenken der Besucher zum Planverfahren zu sammeln.
Übergabe der gesammelten Anregungen und Bedenken an die Stadt Erkelenz am 27. August 1993.
Bundesweites Widerstandstreffen der Braunkohlengegner in Keyenberg und Brüggen am 28/29. August 1993.
Widerstandstreffen der Braunkohlentagebaugegner am 30./31. in der Lausitz/Brandenburg.
4.2. Die Vereinten Initiativen - Bürger gegen Abbau Garzweiler II
Die Vereinten Initiativen gegen den Tagebau Garzweiler II e.V. wurden 1982 gegründet und bilden gleichsam die "Dachorganisation" der jeweils vor Ort arbeitenden Bürgerinitiativen. Sie werden geleitet durch ein Präsidium von drei gleichberechtigten Mitgliedern aus drei verschiedenen Ortschaften.
Jede Ortsinitiative entsendet Beisitzer in den Vorstand.
Dort werden Aktionen und Strategien geplant und abgesprochen und dann in die einzelnen Ortschaften getragen, um gemeinsam mit den vor Ort arbeitenden Vereinen durchgeführt zu werden.
Neben der normalen begleitenden Arbeit zum Planungsgeschehen um den Tagebau haben die Vereinten Initiativen folgende herausragenden Aktivitäten durchgeführt.
Informationssammlung in den verschieden Orten des Abbaugebietes.
Organisation von Protesten bei den Sitzungen des BKA und seiner Untergliederungen.
Unterschriftenaktionen
Bürgerbefragungen in Otzenrath, Spenrath und Holz
Presse u. Öffentlichkeitsarbeit
Fackelaktion: Das gesamte geplante Tagebaugebiet wurde durch eine "Menschenlichterkette" umstellt und markiert.
26.8.89 Veranstaltung: Verheizte Heimat in der Erka-Halle Erkelenz.
1993 zur Offenlegung des Braunkohlenplanes:
Alle Bürger im betroffenen Gebiet wurden in einer Haus zu Haus Aktion motiviert, sich am Offenlegungsverfahren zu beteiligen. Ergebnis: 5300 Einwendungen aus dem betroffenen Gebiet.
Die Vereinten Initiativen sind selbst auch Mitglied in der Rheinischen Bürgeraktion.
Sie bilden eine der tragenden Säulen des Widerstandes gegen den Tagebau.
Es sind dies:
- BUND - Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
- NABU Naturschutzbund Deutschland
Diese Organisationen arbeiten landesweit (NRW) mit Ihren jeweiligen Ortsverbänden gegen das Tagebauprojekt.
Die inhaltlichen Standpunkte sind in der Arbeitshilfe zum Offenlegungsverfahren Garzweiler II dargestellt worden.
5. Resümee und Ansätze für GWA im Gebiet
Zusammenfassend möchte ich die Situation im Plangebiet Garzweiler II wie folgt charakterisieren:
Die lange Planungszeit (seit Anfang der 80er Jahre), das Vorgehen von Rheinbraun und Befürwortern haben deutliche Spuren der Beeinträchtigung im sozialen Gefüge der Ortschaften hinterlassen. Diese sind graduell unterschiedlich, abhängig vom geplanten Abbaggerungstermin.
Die vorgeschlagenen Arbeitsansätze sind aus der fachlichen Sicht der GWA für die betroffenen Ortschaften notwendig. Sie stellen bewusst grobe Orientierungsmarken dar und müssen im Einzelnen von den betroffenen Akteuren (Gruppierungen, Personen usw.) gemeinsam in einem Prozess entwickelt werden. Da dies gerade für den ländlichen Bereich eine ungewohnte Art ist, das Dorfleben (bewusst) zu gestalten, brauchen die Akteure in den Dörfern Zeit und fachliche Beratung und Anleitung. Ein wenig mehr Zeit ist nach dem "Kippen des ehrgeizigen Zeitplanes des BKA für die erstbetroffenen Orte gewonnen. Die fachliche Begleitung kann auch eine kirchliche GWA allen Betroffenen anbieten.
5.1. Die vom geplanten Tagebau möglicherweise erstbetroffenen Orte:
In den Orten auf dem Gebiet der Gemeinde Jüchen sind die sozialen Schäden am stärksten. Bis zu 20 % der Häuser sind hier z.T. schon im Besitz von Rheinbraun. Dies stellt eine massive Beeinflussung des dörflichen Lebens dar:
Gewerbetreibende wandern z.T. ab, weil unternehmerische Planungsmöglichkeiten, gerade wenn es um Investitionen geht, nicht mehr sinnvoll möglich sind.
Die Landwirtschaft gerät - zusätzlich zur normalen Strukturkrise, unter einen noch höheren Druck, dass einerseits der Nachwuchs sich wegen der ungewissen Zukunft außerhalb des Dorfes orientiert, andererseits z.B. bei Erreichen der Altersgrenze keinerlei Verpachtungsmöglichkeiten für den Hof und nur der Verkauf an einen Käufer (Rheinbraun) bestehen.
Junge Menschen wandern ab, weil im Heimatort weder mittel- noch langfristig Bauland zu bekommen ist.
Die große Anzahl der "Fremden" (Rheinbraunmieter bzw. Asylbewerber), die sich in der Regel auch weniger bis gar nicht am Dorfleben beteiligen, führt zur massiven Störung des Dorflebens. Dies hat nichts mit dörflicher "Enge" zu tun, sondern liegt an den Zahlenverhältnissen (z.B. Pfarrei Immerath: ges. knapp 1400 Einwohner, davon in den letzen 5 - 8 Jahren knapp 350 "Neuzugezogene, darunter wiederum ca. 220 Asylbewerber). Tauscht man in einem "normalen" Dorf mit seiner immer noch recht hohen sozialen Kontrolle und allem was damit verbunden ist, 15 - 25 % der Bevölkerung in einer so kurzen Zeit aus, so dauert es ohne entsprechende Begleitung dieses Prozesses von alleine eine lange Zeit, bis das Gemeinwesen diese Belastung sozial verkraftet hat.
Der Immobilienmarkt ist schon seit ca. 10 Jahren tot.
Die Frühverkäufe und die sich um sie rankenden Gerüchte bzw. Phantasien führten zu einer Verschlechterung des Dorfklimas (Neid, Misstrauen und Verunsicherung).
Die Entwicklung im Dorf stagniert ("Das Leben steht still").
Alle die o.a. Faktoren führten zu einer Situation der Stagnation im Gemeinwesen. Ein soziales Gebilde, dass zu lange keine Dynamik mehr hat, zerbricht auf die Dauer.
So bleibt auch nicht aus, dass in diesen Ortschaften die soziale Erosion sehr groß ist.
Eine seltsame Mentalität hat sich bei den Bewohnern herausgebildet:
Einerseits der latent vorhandene Wunsch, im Dorf (angestammte Heimat) bleiben zu können.
Aus ihm bezieht die Widerstandshaltung vieler Betroffenen Ihre Kraft, die sonst eigentlich normale ländliche Mittelstandsbewohner sind, die eigentlich wenig mit Demonstrationen oder Protest zu tun haben.
Andererseits der steigende soziale Druck im Dorf und die damit verbundenen individuellen Ängste so wie die steigenden Beeinträchtigungen, die vom Tagebau Garzweiler I ausgehen.
Dies führt zu einer Fluchttendenz: Schnellstmöglich eine Entscheidung bzw. einen Umsiedlungsstandort haben zu wollen; dem Ruf nach einer möglichst schnellen Umsiedlung.
Dieser Mentalität unterliegen alle Dorfbewohner in beiden Richtungen gleichzeitig. Sie tendieren jedoch, je nach Persönlichkeitsstruktur, stärker ausgeprägt zur einen oder anderen Richtung.
Dadurch entsteht ein Teufelskreis: Das Dorf spaltet sich. Dadurch wird ein relativ sachliches Herangehen (und Abwarten) an die Planungssituation fast unmöglich macht Das steigert wiederum den Prozess der Polarisation im Dorf und die soziale Erosion.
In den Erkelenzer erstbetroffenen Ortschaften (geplanter Abbau 2009 - 2019) sind in abgeschwächter Form diese Grundtendenzen auch feststellbar.
Diese Abschwächung scheint in Immerath trotz hoher Aufkaufrate von Rheinbraun auf die konsequente Widerstandshaltung der Pfarrgemeinde und deren Versuch den bestehenden Schäden gezielt entgegenzuarbeiten ( Ausländerarbeit, Häusermieten v. Rheinbraun und weitervermieten an Immerather) etwas abgefangen zu werden.
5.1.1. Arbeitsansätze aus Sicht der GWA im erstbetroffenen Bereich.
Kontinuierliche Informationsarbeit für die Öffentlichkeit. (Dorfzeitung ?)
Vernetzung der Gruppen und Vereine im Dorf, die das soziale Leben gestalten, unter der Zielsetzung regelmäßig und dauerhaft die Veränderungen im Leben des Dorfes zu beobachten und Negativem, abgestimmt, entgegenzuarbeiten, so wie Strukturverbesserungen für das Dorf zu erarbeiten.
Dabei müssen schon vorhandene Kooperations- und Vernetzungsstrukturen berücksichtigt werden. Wichtig ist, dass die kommunalen Bezirksausschüsse eingebunden werden. Diese Vernetzungsarbeit so wie die Maßnahmen der Dorfweiterentwicklung müssen für jedes Dorf so bald wie möglich eingeleitet und die Entwicklung angegangen werden, gleich ob der Tagebau genehmigt wird, oder nicht.
Die Pfarren, die in der Regel auf den Dörfern die tragenden Elemente des sozialen Lebens sind, müssten, gemeinsam mit allen anderen das Leben im Dorf gestaltenden Kräften eine Dorfweiterentwicklung einleiten.
Es müssen bei einer für das einzelne Dorf nutzbringenden 'Dorfweiterentwicklung' wirklich alle Aspekte der Entwicklung einer Weiterentwicklung des Dorfes erfasst werden:
Der städtebauliche Aspekt (Stadtentwicklungplanung), die bisher im ländlichen Bereich alleine unter dem Namen 'Dorfentwicklung' firmiert.
Der soziale Aspekt im Sinne von geplanter und gestalteter Weiterentwicklung des Dorflebens. Im kirchlichen Bereich ist dies die Gemeindeentwicklung. Dies einerseits unter dem Aspekt der Schäden, die die Bedrohung durch den Tagebau bisher schon verursacht hat, andererseits unter dem Aspekt der langfristigen 'Klimaverbesserung/Gestaltung' im Dorf.
Der soziale Aspekt im Sinne von geplantem und gestaltetem Umgang mit den gesetzlich festgeschriebenen Sozialplanungen . (Schulplanung, JHG, BSHG... usw.)
Leistung oder Organisation von individueller Einzelfallhilfe.
Sollte der Tagebau ganz oder in Teilen genehmigt werden, so wird eine Umgestaltung der dann vorgesehenen Konzeption notwendig werden.
5.2. Die vom geplanten Tagebau später betroffenen Orte
In diesen Orten ist allein die Situation durch starke Unsicherheit gekennzeichnet: 'Kommt der Tagebau oder nicht ?' Direkte und so massive Schäden, wie in den anderen Orten, sind hier nicht zu erkennen.
Es gibt nach einer Zeit des Baustillstandes wieder eine relativ normale Bautätigkeit. Rheinbraun hat, mit Ausnahme einiger Ackerlandflächen, kein Anwesen oder Baugrundstücke gekauft, jedoch wandert auch hier eine große Zahl der jüngeren Menschen ab.
In diesen Orten ist der Widerstand gegen das Tagebauvorhaben besonders stark ausgeprägt. Die Menschen haben den Landverweigerungsbeschluss der Pfarren und die ablehnende Stellungnahme des Bistums zum Tagebau als besondere Unterstützung in ihre Situation erfahren: "Unsere Kirche ist auf unserer Seite". Dies und die kontinuierliche Widerstandsarbeit der Bürgerinitiativen und Ortsvereine zum Offenlegungsverfahren haben nach einiger Zeit der Stagnation in den Orten wieder einen gewissen Solidarisierungseffekt im Dorf herbeigeführt.
Dennoch darf dies nicht über die latent vorhandene Situation hinwegtäuschen:
Durch die fehlende Möglichkeit der langfristigen Lebensplanung für die Menschen herrscht ein gewisser Verdrängungsmechanismus vor, der die Gefahr in sich birgt, sich nicht mit der aktuellen Tagebaubedrohung zu befassen und seine Interessen nicht jetzt in das politische Verfahren einzubringen.
"Wir sind noch lange nicht dran; wer weiß was bis dahin ist, vielleicht kommt der Tagebau gar nicht". - "Die da oben machen ja doch, was sie wollen, da kann man doch eigentlich nichts machen."
5.2.1. Arbeitsansätze aus Sicht der GWA in diesem Bereich
Kontinuierliche Informationsarbeit für die Öffentlichkeit. (Dorfzeitung?)
So weit notwendig, Vernetzung der Gruppen und Vereine im Dorf, die das soziale Leben gestalten unter der Zielsetzung kontinuierlich regelmäßig und dauerhaft die Veränderungen im Leben des Dorfes zu beobachten und Negativem, abgestimmt, entgegenzuarbeiten, so wie Strukturverbesserungen für das Dorf zu erarbeiten. Dabei müssen in jedem Fall schon vorhandene Kooperations- und Vernetzungsstrukturen berücksichtigt werden. Wichtig ist, dass die kommunalen Bezirksausschüsse eingebunden werden. Diese Vernetzungsarbeit, so wie die Maßnahmen der Dorf(weiter)entwicklung, muss für jedes Dorf so bald wie möglich eingeleitet und die Entwicklung angegangen werden, gleich ob der Tagebau genehmigt wird, oder nicht.
Die Pfarren, die in der Regel in den Dörfern tragende Elemente des sozialen Lebens sind, müssten, gemeinsam mit allen anderen das Leben im Dorf gestaltenden Kräften eine Dorfentwicklung einleiten. Sie könnten sogar Initiatoren sein.
Es müssen bei einer für das einzelne Dorf nutzbringenden 'Dorfentwicklung' wirklich alle Aspekte einer Weiterentwicklung des Dorfes erfasst werden:
Der städtebauliche Aspekt (Stadtentwicklungplanung) die bisher im ländlichen Bereich alleine unter dem Namen 'Dorfentwicklung' firmiert.
Der soziale Aspekt im Sinne von geplanter und gestalteter Weiterentwicklung des Dorflebens. (Im kirchlichen Bereich ist dies die Gemeindeentwicklung) Dies einerseits unter dem Aspekt der Schäden, die die Bedrohung durch den Tagebau bisher schon verursacht hat, andererseits unter dem Aspekt der langfristigen 'Klimaverbesserung/Gestaltung' im Dorf.
Der soziale Aspekt im Sinne von geplantem und gestaltetem Umgang mit den gesetzlich festgeschriebenen Sozialplanungen . (Schulplanung, JHG, BSHG... usw.)
Leistung oder Organisation von individueller Einzelfallhilfe.
Unterstützung der Widerstandsgruppen.
Obwohl die Stadt Erkelenz grundsätzlich ablehnende Aussagen gegen den Tagebau gemacht und dies auch in ihrem unterstützenden Verhalten zu den unterschiedlichsten Aktivitäten der Widerstandsgruppen in die Tat umgesetzt hat, besteht bei den vom Tagebau betroffenen Menschen eine latente Skepsis 'der Stadt' gegenüber. "Belegt" wird diese Skepsis eigentlich nur mit der Nennung der Verluste der Dorfautonomie nach der kommunalen Neugliederung bzw. deren Folgen.
Mögliche Hintergründe:
Allgemeine Politik- und Verwaltungsverdrossenheit.
Rat und Verwaltung wird "eine solche kritische Haltung eigentlich nicht zugetraut" - "da muss doch noch was dahinterstecken".
Emotional: "Unser Dorfleben zerfließt uns unter den Händen" - Rat und Verwaltung müssten "was dagegen tun!" (Ohnmacht, Gefühle des alleine gelassen Seins.)
Das Gefühl: "Was die da oben planen, entscheiden hat nichts mit uns zu tun" (Ohnmacht)
Die Einstellung, dass "die Stadt ja eigentlich 'mit denen da oben' unter einer Decke steckt" (Obrigkeitsorientierung)
Aus Sicht der GWA könnte diese Situation für die Stadt (Verwaltung und Rat) durch folgende Arbeitsansätze geändert werden:
Offene, kontinuierliche, direkte Information an die Bürger durch die Stadt.
Aufbau einer Struktur der Bürgerbeteiligung, die folgen de Punkte gewährleistet:
Ein Höchstmaß an Bürgerbeteiligung schon jetzt im Vorfeld der Widerstandssituation. Dies kann jetzt ein unbelasteteres Lern- und Erfahrungsfeld werden, ohne die Druck und Belastungssituation einer laufenden Umsiedlung im Falle einer Genehmigung des Tagebaues. (Partizipation)
Orientierung politischen Handelns an der konkreten Lebenswelt der Bürger in den einzelnen Orten. Aufbau von Strukturen, durch die alle Beteiligten die Entwicklung ihres eigenen Dorfes, so wie dessen Benachteiligungen und Negativa durch den Tagebau im Gesamtblick haben können.
5.4. Ein strukturelles Denkmodell
Es soll im Nachfolgenden ein Denkmodell dargestellt werden, das vielleicht die Chance bietet, bei Wahrung der jeweiligen Eigenständigkeit der einzelnen Träger des sozialen Lebens ein Höchstmaß an Kooperation, Kommunikation und Vernetzung zu gewährleisten. In einigen Dörfern bestehen schon Zusammenschlüsse (Dorfgemeinschaft, usw.), die die Aufgabe einer solchen "Dorfkonferenz" übernehmen könnten, bezüglich des drohenden Tagebaus und seiner Einflüsse auf das soziale Leben im Dorf, den Ort im Blick zu behalten und Gegenmaßnahmen ggf. einzuleiten und Strukturverbesserungen für den Ort zu planen.
A Die Dorfebene: " Die Dorfkonferenz"
Aufgaben:
Regelmäßig und dauerhaft die Veränderungen im Leben des Dorfes beobachten und Negativem, abgestimmt, entgegenzuarbeiten, so wie Strukturverbesserungen für das Dorf aus der Sicht der Betroffenen zu erarbeiten.
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Kirche |
Vereine |
bilden gemeinsam eine Arbeitsgemeinschaft für das Dorf, die das o.a. Ziel verfolgt. Sie überlegen gemeinsam, was für das Dorf notwendig ist. Sie bestimmen Vertreter, die das Dorf beim "runden Tisch" vertreten. (Entscheidungen politischer Art bleiben den gewählten Vertretern der Stadt vorbehalten.)
| Soziale Einrichtungen: |
interessierte Bürger |
Bezirksausschuss |
B Die Ebene: "Betroffenes Stadtgebiet Erkelenz"
Neben der oben dargestellten Dorfkonferenz, die in jedem einzelnen Ort, die Entwicklungen in der Lebenswelt regelmäßig und dauerhaft beobachtet und Negativem, abgestimmt, entgegenarbeitet, so wie Strukturverbesserungen für das Dorf aus der Sicht der Betroffenen erarbeitet, müsste es ein weiteres strukturelles Element geben, dass die für jeden Ort geplanten Beobachtungen und Maßnahmen bündelt. Die Anliegen und Notwendigkeiten müssten dann in die überörtlichen Strukturen weitergeleitet werden, in denen wieder andere Gruppierungen sind, deren Arbeit für die Menschen in den einzelnen Dörfern wichtig ist, deren eigene Interessen andererseits vom politischen Geschehen um den Tagebau einerseits und der Situation in den Dörfern andererseits tangiert werden.
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| Vertreter der Dorfkonferenzen |
bilden gemeinsam eine Arbeitsgemeinschaft für das betroffene Gebiet. Diese bündelt Tendenzen und Entwicklungen aus den Orten. Sie überlegen gemeinsam was für das Gebiet notwendig ist. Sie leiten in ihrem je eigenen Einfluss- und Interessenbereich die sprechenden Maßnahmen ein. |
Rheinische Bürgeraktion Vereinte Initiativen |
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Sonstige, im betroffenen Gebiet arbeitende überörtliche Gruppierungen |
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